Bis der Tod euch scheidet (Michael Götz, 2000)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
Zeitschriftenartikel zum Thema "Treue in der Ehe"
| Bis der Tod euch scheidet | |
|---|---|
| Autor | Michael Götz |
| Erscheinungsdatum | 2000 |
| Publikation | 18plus |
| Kategorien | |
Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
„Bis der Tod euch scheidet ...“
Ich ziehe meinen riesigen Trekkingrucksack aus unserem Kofferraum, umarme und küsse Doris. Die dreiwöchige Lofotenfreizeit mit 24 jungen Erwachsenen beginnt. Wir verabschieden uns. Oft breche ich beruflich bedingt als CVJM-Landessekretär von zu Hause auf, sehe Doris und unsere Kinder Solveig und Jannes für einige Tage oder mehrere Wochen nicht. Dass dies gut geht und unsere Beziehung daran nicht zerbricht, ist im Kern auf eines zurückzuführen: die Treue. Sie haben wir uns versprochen. Sie ist eine Grundentscheidung unseres gemeinsamen Lebens.
„Streicht doch endlich die Uralt-Trauformel `bis der Tod euch scheidet`. Bei solch hohen Scheidungszahlen ist dies nicht mehr zu halten und belastet zusätzlich die Gewissen gescheiterter Eheleute.“ – so wird versucht zu überzeugen. Dass viele Ehen heute zerbrechen, ist nicht wegzustreiten. Wir leiden persönlich an vielen Stellen unter Verwandten und Freunden mit. Dass aber wegen unserer menschlichen Unzulänglichkeit und Schuld, Gottes Wille – nämlich die Ehe „bis der Tod euch scheidet“ – wegretuschiert werden muss, verstehen wir nicht. Denn „bis der Tod euch scheidet“ ist beides: Verheißung und Gebot.
„Verheissung“, weil es nichts Befreienderes in einer Beziehung gibt, als sich darauf verlassen zu können, dass der andere unbedingt zu mir steht. Es befreit mich von der Angst, dass Doris nur so lange bei mir bleibt, bis sie einen anderen findet, der anscheinend besser zu ihr passt. Es befreit mich von zerstörerischer Eifersucht. Es befreit mich, ehrlich und angstfrei miteinander Konflikte auszutragen, da ich weiss, dass Doris nicht wegläuft. Es befreit mich, mit anderen Frauen befreundet zu sein und dabei deutlich zu wissen, wo die Grenze verläuft. Es befreit mich, weil eine Beziehung gerade hier an Tiefe gewinnt, wo wir durch Krisen hindurch zueinanderstehen. Es befreit mich, Doris nicht zu klammern, sondern ihr die Freiheit zu lassen, die sie benötigt.
Puh, das klingt jetzt alles so political correct und aalglatt – geradezu geeignet für ein Managerseminar. Nicht, dass wir dies nicht so erfahren haben, doch es wäre nur die halbe Wahrheit. Natürlich empfinden wir Treue nicht immer nur als befreiende Verheissung. Bei lang andauernden Konflikten um die selben Dinge, schleicht sich schon mal schmerzhaft die Frage ein: Stehen wir uns nicht nur gegenseitig im Weg herum? Gerade dort, wo es nicht nur um eine bestimmte Streitigkeit geht, sondern wo wir merken, hier reiben sich unsere Charaktere, unsere Persönlichkeiten. Und sie reiben nicht nur, sondern sie blockieren sich gegenseitig. Dann haben wir uns gefragt: Kann das so miteinander weitergehen? Zu diesen Konflikten kommt dazu, dass ich mit der Hochzeit nicht auf einen Schlag alle Frauen auf einmal furchtbar unsympathisch gefunden habe. Und somit ist es oft harte Arbeit, Nähe und Distanz zu anderen Frauen richtig auszutarieren. Und dazu passt ein Kernsatz, der mir von einem Eheberater immer wieder im Kopf herumgeistert. Dieser lautet: „An einer Ehe muss lebenslänglich gearbeitet werden“. Und das stimmt. Gerade Christen sollen sich hier keiner Illusion hingeben, dass es in einer christlichen Ehe schon laufen muss, weil Gott ja mit im Boot ist. Ganz im Gegenteil: Gott hat uns Verantwortung füreinander übertragen und diese gilt es immer wieder wahrzunehmen. Und von daher ist das „bis der Tod euch scheidet“ nicht nur eine Verheißung, sondern auch ein Gebot – eine verbindliche Weisung für unser Leben. Und das wirklich Geniale an der Treue als Gebot und Verheißung ist: In Gott habe ich ein glaubwürdiges Vorbild, der sich seine Treue viel kosten lassen hat, alles kosten lassen hat – nämlich sein Leben. Bei ihm – und nur bei ihm - gilt sogar: Seine Treue wird selbst nicht durch den Tod geschieden. Gott ist und bleibt treu. Dies ist einer der tiefsten Eigenschaften Gottes. Und dies ist auch zugleich für uns das wegweisende Licht und die Kraftquelle für unsere Ehe, für unsere Treue zueinander.
„Bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir das Licht.“ Ps 36,10 – unser Trauspruch – und es stimmt!
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