Born again - einmal anders (Peter Rostan)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
“Es kann doch nicht sein, daß mit einem mal alles aus ist! Jeder hat das Recht auf eine zweite oder dritte Chance!”.
| Born again - einmal anders | |
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| Autor | Peter Rostan |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | 18plus |
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Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis |
“Born again” – einmal anders.
“Es kann doch nicht sein, daß mit einem mal alles aus ist! Jeder hat das Recht auf eine zweite oder dritte Chance!”. Wer einmal vor dem Grab eines 18jährigen stand, der sich nach dem Abiball im Suff zu Tode gerast hat, kann diesen Gedanken nicht einfach beiseite schieben. “Tausend andere machen irgendwann mal den gleichen Fehler – nur mit anderem Ausgang. Sie haben eben nicht das Pech, mit 160 von hinten auf einen schlecht beleuchteten LKW aufzufahren...”.
Wer von einer Reinkarnation spricht, einer Wiedergeburt in anderer Gestalt, der muß darin ernst genommen werden. Hier geht’s um mehr als um das unter Christen leider allzu oft verbreitete Klischee, man reihe sich damit nur ein in das belanglose Stehempfangs-Geschwafel der gelangweilten Schickeria (“ob mein Pudel wohl beim nächsten Mal ein Terrier wird?”).
Gerade Jugendliche, die sich ernsthaft mit dem Reinkarnationsglauben beschäftigen, suchen damit letztlich eine Antwort auf eine uralte Menschheitsfrage: Gibt es so etwas wie Gerechtigkeit? Gibt es irgendwann einen Ausgleich, eine faire Chance für jeden – oder hat der eine eben Pech und der andere Glück?
Nachsitzen müssen
Der Reinkarnationsglauben hat bekanntlich seinen Ursprung in Asien. Buddhisten, Hinduisten, Shintoisten verbinden die Vorstellung einer Wiedergeburt aber mit anderen Gefühlen als wir im Westen: Dort gilt die Wiederkehr als Fluch! Wer noch mal zurück muß, der muss nachsitzen, er muss die Strafe für die Sünden des vorigen Lebens abarbeiten.
[Nebenbei bemerkt: Kein Wunder, dass die indische Gesellschaft wenig Probleme mit der Not der Armen und Rechtlosen hat. Ein paar Almosen sind gut, sie steigern das eigene Gute-Taten-Konto. Aber eine grundlegende Veränderung der Lebensbedingungen würde in das “Karma”-Prinzip eingreifen. Wer leidet, muß für etwas büßen. Soziale Amnestien sind nicht vorgesehen.]
Natürlich gibt es auch in Indien einige wenige, die ein schönes Leben führen. Sie haben bereits die niederen Stufen hinter sich gelassen. Aber das eigentliche Ziel ist klar: Am Ende wartet das Nirwana, die Auflösung der eigenen Person in die Gesamtheit des Alls. Dann ist der Fluch des jahrhundertelangen Kreislaufs von Geburt und Wiedergeburt überwunden.
Eine zweite Chance
In unseren Breitengraden läuft’s genau umgekehrt: Hier geht’s nicht um einen Fluch, sondern um konkrete Hoffnung! Schließlich steht die Würde des Einzelnen auf dem Spiel! Nicht die Auflösung ins All ist das Ziel, sondern die Entfaltung der Person in ihren Möglichkeiten. Was nicht in diesem Leben gelingt, kann dann im nächsten Leben hoffentlich nachgeholt werden.
Dieser krasse Unterschied zwischen Asien und Euroamerika hängt nicht zuletzt mit dem christlichen Glauben zusammen. Denn die Würde des Einzelnen, die Wertschätzung des einzelnen Menschen entspringt der Bibel: “Ich rufe dich bei deinem Namen - du bist mir wichtig als Person!”, sagt Gott in Jesaja 43,1.
Das asiatische Nirwana hat herzlich wenig mit dem biblischen Himmel zu tun. Eine Selbstauflösung des Menschen ins All ist vom Gott der Bibel nicht beabsichtigt.
Der gewisse Unterschied
An zwei entscheidenden Stellen verhalten sich aber auch die westliche Reinkarnationsvorstellung und die biblische Auferstehungshoffnung wie Feuer und Wasser: Während dort der Reiz in einer ständigen Wiederkehr liegt, denkt die Bibel in den Kategorien ablaufender Geschichte: Es gibt einen Anfang und ein Ende, eine Schöpfung und eine Weltvollendung. Das gilt auch für den einzelnen Menschen. Das Leben ist nicht ein wiederkehrender Zyklus, sondern ein Weg, hin zur kommenden Vollendung bei Gott.
Und: Während dort der Sinn des Lebens in einer fairen Chance liegt, einer positiven Lebensbilanz, die jeder einzelne irgendwann einmal erreichen kann, denkt die Bibel anders: Der Sinn des Lebens liegt für uns Christen nicht in dem, was wir erreichen, sondern in dem, was wir geschenkt bekommen. Wer einmal vor Gottes Thron steht (ein Bild aus Offenbarung 7,14), wird nicht mehr Bilanzen ziehen wollen. Er wird staunen und beschämt stammeln: “... jetzt wird mir klar, was der Sinn des Lebens ist!”. Und vielleicht wird er auch im Nachhinein begreifen, weshalb der 18jährige in den Tod gerast ist. Vielleicht aber auch nicht. Dazu können wir als Christen jetzt noch nichts sagen.
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