CUT Moderation zum Film "Bella martha" (N.N.)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
Moderationstext zum Film "Bella Martha" Empfehlung: CUT - Kino einmal anders
| CUT Moderation zum Film "Bella martha" | |
|---|---|
| Autor | N. N. |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | [[Kategorie:Publikation:|]] |
| Kategorien | |
Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis |
Bella martha
CUT-Kino einmal anders-ein Projekt für junge Erwachsene ab 18 Jahren
Teil 1: Einführung
vor dem Start (DVD 0:00)
Begrüßung und Einführung in CUT
- Was CUT ist? geleitetes Sehen mit zwei Unterbrechungen, ein paar kurze Gedanken zu dem Gesehenen
- Wer ist der CVJM?
- Wie es danach weiter geht? Bitte am Ende sitzen bleiben für Gespräch an dern Tischen, Interview, Plenumsdiskussion ...
- Wie funktioniert das mit den Kontakt- und Feedbackkarten?
- Bitte Handys ausmachen.
- Einladung zum Kino-Treff nach CUT
- Vorstellung der Band
- Bistro
...
Spitzenköche, sagt man, sind tyrannisch und arrogant.
Sie schuften in der Hitze wie Malocher.
Sie setzen divenhaften Ehrgeiz in die Kreation aufwendiger Kunstwerke und ...
sie müssen deren respektlosen Verzehr durch die Kundschaft verkraften.
Sandra Nettelbeck kostet in ihrem Film „Bella Martha“ das schillernde Reich einer Restaurantküche aus. Selten sah man die Berufswelt mit so viel Lust aufs Detail dargestellt. Von Beginn an ist durch die perfekte Kameraführung klar, dass Bella Martha nicht die rohe, schmutzige Küchenwirklichkeit dokumentiert, sondern ein modernes MÄRCHEN erzählt.
Martha Klein, die verquere Spitzenköchin ist von ihrem Können überzeugt. Sie wehrt sich und erträgt keine Kritik, wenn es um einen Angriff auf ihre Kochleistung geht. Ihre Leistung als Köchin ist ihr Lebensmittel-Punkt. WICHTIG IST NUR DIESES. Dort wo sie sich definiert. Sie ist das, was sie in ihrem Beruf kann. Und von daher ist Martha als Perfektionistin der französischen Küche folglich eine anstrengende Diva. Doch steckt hinter dieser Karrierefrau nicht doch der Wunsch, ihre Einsamkeit zu durchbrechen?
Oder anders herum gefragt:
Wem kann es gelingen sie aus ihrem Dornröschenschlaf wach zu küssen? Wer kann die von ihr selbst gehegte und gepflegte Dornenhecke durchdringen? Und ihr damit zeigen, dass es noch WICHTIGERES im Leben gibt als das Kochen?
Teil 2: Unterbrechung CUT 1
- Letzter Satz (beim Therapeuten – nach ca.34 min) „Sind sie zu all ihren Kranken so nett?“ „Nur zu denen, die es verdienen“ CUT
Die Dornenhecke scheint sich um Martha in dem Märchen immer dichter zu schließen. Martha isoliert sich in ihrem Dornröschen-Schloß als unnahbare Prinzessin. Kein Prinz darf ihr näherkommen.
- Den Psychotherapeuten und den italienischen Konkurrenz-Koch läßt sie voll auflaufen.
- Und der Nachbar Sam? So geschickt sie 47 Gedecke in einem Restaurant als Chefköchin organisieren kann, so ungeschickt stellt sie sich in der Begegnung mit dem durchaus sympathisch erscheinenden Nachbarn an?
- Und was ist mit Lina? Wird sie die Dornenhecken durchbrechen können? Gut sieht es mindestens nicht aus. Wer ein Kind als erstes nach dem Tod der Mama fragt, ob sie nichts essen wolle. Anstatt mit ihm zu trauern. Anstatt ihm Wärme entgegenzubringen – der hat das Recht verspielt, das Herz eines Kindes zu erobern. Man lebt halt nicht vom Brot allein. Doch das scheint unsere Prinzessin noch nicht begriffen zu haben.
Und genau hier möchte ich auf eine frappierende Parallele in der Bibel zu dem Film „Bella Martha“ hinweisen. Die Geschichte aus dem Lukasevangelium 10.Kapitel wirft nochmal ein ganz anderes Licht auf unser modernes Märchen. Dort wird uns nämlich erzählt:
Die Geschichte von Maria und Martha - 10:38 Jesus kam mit seinen Jüngern in ein Dorf, wo sie bei einer Frau aufgenommen wurden, die Martha hieß. 39 Maria, ihre Schwester, setzte sich zu Jesus und hörte ihm aufmerksam zu. 40 Martha aber war unentwegt mit der Bewirtung ihrer Gäste beschäftigt. Schließlich kam sie zu Jesus und fragte: "Herr, siehst du nicht, daß meine Schwester mir gar nicht hilft? Sie überläßt mir die ganze Arbeit. Kannst du ihr nicht sagen, daß auch sie etwas tun soll?" 41 Doch Jesus antwortete ihr: "Martha, Martha, du machst dir viel Sorgen und mühst dich um Dinge, die im Grunde nicht so wichtig sind. 42 WICHTIG IST NUR EINS! Das hat Maria verstanden, und davon werde ich sie nicht abbringen."
Soweit das Lukasevangelium. Maria hat es verstanden, was WICHTIG ist im Leben. Doch Martha? Geht sie weiter am Leben vorbei? Oder schafft sie es noch umzukehren?
- Weg von der Leistung und damit ihrer selbstgewählten Religion – dem Kochen.
- Weg von der Küche, die sie zur Kirche erklärt hat.
- Weg von der Kapelle Kühlraum, wo sie doch zwischen Schinken und Trüffel keine Ruhe findet.
Seht selbst. Mario und Martha. Oder vielleicht auch ein bisschen Maria und Martha?
Teil 2: Unterbrechung CUT 2
- (ca. nach 1h 16min – Martha ist vollkommen entnervt, fährt mit Lina auf einen Parkplatz – läuft rauchend auf und ab – geht dann wieder zur Autotür, reisst diese auf und – CUT – auf jeden Fall bevor sie reden kann)
Der Super-Gau ist eingetreten. Nachdem Prinz Mario eine breite Lücke in die Dornenhecke unserer Prinzessin gehauen hat – und ehrlich zugegeben, was ist das für ein Prinz! Märchenhafter könnte er nicht sein! Ein immer humorvoller, durch die Küche tanzender, das Leben leicht schultender, einfühlsamer und dazu noch selbstbewußt-mutiger Ritter, der obendrein noch perfekt italienisch kochen und Kinder in schwierigen Lebenssituationen erziehen kann. Was will man mehr? Er weiß einfach das Rezept für ihre Herzenstür: „Gnocci muß man ganz behutsam zu bereiten – das ist der Trick. Mit Gnocci muß man sich Zeit lassen. Sie werden sehr schnell zäh und ungenießbar, wenn man sich mit ihnen keine Mühe gibt.“
Doch genau in diesem Moment, wo sich das Märchen seinem ersehnten Höhepunkt – dem Happy-End – nähern könnte, gibt es einen so herben Rückschlag. Die zart begonnene Bande zwischen Martha und Lina zerbricht mit großem Getöse. Der Konflikt eskaliert – und der Videofilm macht deutlich, dass Martha nie die Mutter von Lina ersetzen kann. Sie ist eben ganz anders.
Und wieder stellt sich die Frage, nach dem was WICHTIG ist. Wie wird Martha jetzt reagieren? Zieht sie sich wieder hinter ihre Dornenhecke zurück? Stürzt sie sich wie die Martha aus der Bibel wieder in die Geschäftigkeit? Und verpasst damit, DAS EINE, WAS WICHTIG IST.
Was wird Maria jetzt tun?
Teil 3: Abschluss
- Nach dem Abspann
Puh, da sind sie nach einigen Umwegen doch noch über die Ziellinie geschlittert. Sah ja alles nicht so superglücklich zu Beginn des Filmes aus. Aber ist das alles nicht doch ein bisschen kitschig? Sind das doch nicht etwas arg viel Klischees? Das immer warme, schöne Italien, das immergraue Deutschland ...
Und hierzu habe ich mir heute jemanden eingeladen, der von „Bella Martha“ begeistert ist und sich intensiv mit dem Film beschäftigt hat. (Vorstellung des Interviewpartners). Ich habe eine Einstiegs-Frage an dich in bezug auf den Film. Danach soll es auch die Möglichkeit geben, dass an den Tischen weiterdiskutiert werden kann.
Frage 1:
Also noch einmal: In vielen Kritiken zu „Bella Martha“ kommt das Urteil „zu viele Klischees“ vor. Was ist deine Meinung?
Antwort 1:
(absolut wichtig: eigene Meinung, eigene Worte, das ist nur ein Vorschlag) Sicherlich werden hier viele Klischees bedient. Doch gehören die eben nicht zu einem Märchen? Zu einem Märchen gehört eben eine Hochzeit – ob man will oder nicht. Märchen wollen keine Realität abbilden. Und Märchen bedienen sich Klischees, denn in ihnen steckt ja auch immer eine Funke Wahrheit.
Märchen nehmen Urängste auf – den dunklen Wald; die Jungfer, die keinen Prinzen abbekommt; die böse Stiefmutter und konfrontieren diese mit den Sehnsüchten der Menschen – dem Schloß, dem Prinzen, der wundervollen Rettung. Bei Bella Martha ist es die Urangst, alleine zu bleiben – den Lebensmittelpunkt nicht zu finden.
Und die Sehnsucht ist somit auch schon benannt. Einen kleinen Kreis fester und von Liebe bestimmter Beziehungen und damit das Leben zu finden. Marthas Märchenvision findet zum Schluß in einer dreiköpfigen Kleinfamilie ihr Heil, die Erlösung.
Frage 2:
In den CUT´s wurde „Bella Martha“ mit der Martha aus der Bibel verglichen. Findest du den Vergleich gelungen?
Antwort 2:
Absolut. Zwar habe ich in keinem Interview von Sandra Nattelbeck den Vergleich mit der biblischen Martha gefunden. Doch die Parallelen sind zu offensichtlich. Und wenn es die Regisseurin tatsächlich nicht bedacht hat, ist es auch egal. Der Vergleich ist superinteressant.
Frage 3:
Und worin liegt deiner Meinung nach der Unterschied zwischen „Bella Martha“ und der biblischen Geschichte?
Antwort 3:
Die Geschichte mit der Martha und Maria in der Bibel ist ja an sich eine sehr komische Geschichte. Die Maria sitzt faul herum, hört Jesus zu und Martha spielt eine richtig gute Gastgeberin, die sich um alles kümmert. Und doch sagt Jesus, dass Maria das einzig richtige gemacht hat. Natürlich nicht das faul herumsitzen, sondern das zuhören. Dass ist in dieser Geschichte „das einzig Wichtige“ – auf Jesus hören.
Frage 4:
Und was ist bitte daran so wichtig, Jesus zuzuhören?
Antwort 4:
In der Geschichte ist nicht überliefert, WAS Jesus gesagt hat. Doch durch das Zeugnis des Neuen Testaments wissen wir, dass seine Botschaft folgende gewesen ist: Kehrt um, denkt um, sinnt um und glaubt an das Evangelium. Vertraut auf die frohe Botschaft. Setzt euren Lebensmittelpunkt auf etwas Unvergängliches – nämlich auf Gott.
Dass Gott es ist, der unserem Leben einen Lebensmittelpunkt gibt – durch alle Höhen, durch alle Krisen des Lebens hindurch.
- Unabhängig von dem, was wir leisten – sei es im Beruf oder anderswo.
- Unabhängig von dem, was wir im Leben erreichen – auch in Partnerschaft und Liebe.
Jesus gibt dem Leben eine Bedeutung und einen Sinn – unabhängig von dem, ob mein Leben nach meinen oder anderen Kriterien gelingt.
Frage 5:
Das klingt jetzt sehr theologisch. Hast du ein praktisches Beispiel aus deinem Leben. Was bedeutet das für dich, Gott als deinen Lebensmittelpunkt zu haben? Du hast doch Verwandtschaft, Freunde, Beruf, dich selbst etc. – sind das nicht Lebensmittelpunkte genug?
Antwort 5:
das ist jetzt so persönlich, dass ich da nichts schreibe, nur ein paar Stichpunkte, wie ich geantwortet habe Familie, Beruf etc. sind alles wichtige Dinge in meinem Leben, doch mir ist klar, dass sie nicht zum Lebensmittelpunkt werden dürfen – denn sie sind alle vergänglich – was mache ich, wenn die Kinder aus dem Haus sind und ich habe sie zum Lebensmittelpunkt gemacht – was mache ich, wenn ich meinen Job nicht mehr ausüben kann .... – höre ich dann auf zu leben?
Und an der Grenze des Todes muss ich mich letztendlich auch selber loslassen und da ist mir klar: das einzige was wichtig ist, was durchträgt ist Gott
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