Persönliche Werkzeuge


CUT Moderation zum Film "Solino" (N.N.)

aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen

Moderationstext zum Film "Solino" Empfehlung: CUT - Kino einmal anders


Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.



Inhaltsverzeichnis



SOLINO – oder: Wer wird wie zu welcher Persönlichkeit?

CUT – Kino einmal anders - ein Projekt für junge Erwachsene ab 18 Jahre

Einführung vor dem Film

Nach dem alle begrüßt sind und CUT vorgestellt wurde, wird folgende Moderation vorgelesen:

SOLINO - Der Regisseur des Films Fatih Akin – bekannt geworden durch den Film „Im Juli“ - sollte eigentlich nur seine Meinung zum Drehbuch von „Solino“ abgeben. Aber ihn begeisterte die Geschichte über eine Einwandererfamilie derart, dass er diesen Film unbedingt selbst machen wollte.

Fatih Akin ist türkischer Abstammung und seine eigene Biographie als Sohn einer Gastarbeiterfamilie prädestinierte ihn für die Umsetzung des Themas. Selbst sagt er in einem Interview: „Ich sehe den Film auch als Denkmal an die erste Generation Gastarbeiter, an meine Onkel und Tanten.“

Im Film mit deutschen und italienischen Schauspielern wurde überwiegend italienisch gesprochen. Gedreht wurde in Duisburg und im süditalienischen Ort Leverano. Viele der Dorfbewohner im italienischen Ort spielen sich selbst. Auch die beiden deutschen Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu und Barnaby Metschurat sprechen in großen Teilen des Films italienisch und haben ihre Stimmen erst nachträglich synchronisiert.

Der Film erzählt über den Zeitraum von 20 Jahren hinweg die Geschichte der vierköpfigen Familie Amato. 1964, 1974 und 1984 lässt uns der Film immer für eine gewisse Zeit in das Leben der Amatos schauen. 1964 verlassen Romano und Rosa Amato mit Ihren Söhnen Giancarlo und Gigi ihr italienisches Heimatdorf Solino um in Deutschland ihr Glück zu machen.

Auch wenn „Solino“ von der allerersten Pizzeria im Ruhrgebiet erzählt, steht das Gastarbeitermilieu im Hintergrund.

Es ist eine Familiengeschichte – und wir erleben, wie sich die einzelnen Personen trotz gleicher familiärer Prägung ganz unterschiedlich entwickeln, wie sie individuelle Entscheidungen für den einen oder den anderen Lebensweg treffen, welche Auffassung sie von Heimat haben. „Eine Geschichte über zwei Brüder, über Liebe, über Moral, über Schuld und Versöhnung und auch über Gewinner und Verlierer wollte er machen“ erzählt Fatih Akih im Interview.

Am Ende des Films wird sich die Frage stellen: Wer hat sein Leben richtig gelebt? Wer wird wie zu welcher Persönlichkeit?

Aber sehen wir uns die Geschichte der Familie selbst an…


CUT Nummer Eins

(DVD 33:40 – letzten Worte „Dann sagen sie mir: Was ist wichtig?“)Moderation:

Was ist denn wichtig?

Jedes Familienmitglied der Familie Amato sucht seine eigenen Antworten auf diese Frage.

Was ist wichtig? Wo liegen die Maßstäbe für ein gelingendes Leben? Für Gewinnen oder Verlieren. Für das Werden zu einer Persönlichkeit.

Romanos anfänglicher Enthusiasmus von guter Arbeit und leicht verdientem Geld in Deutschland verliert sich schnell. – (Pause) Romano - ein Gewinner oder ein Verlierer?

Rosa wird schwer heimisch im tristen Duisburg. Ihr ist kalt in Deutschland. Es fehlt an Sonne, an Lebensfreude und an Auberginen oder Oregano. Lieber heute als morgen würde sie zurückkehren nach Solino, nach Hause. Und doch ist sie diejenige, die der Familie mit ihrer Idee und ihrem Engagement eine Lebensgrundlage schafft. Die erste Pizzeria im Ruhrgebiet, benannt nach der Heimat. – (Pause) Rosa – eine Gewinnerin oder eine Verliererin?

Auch Giancarlo scheint sich nur schwer einzuleben in Deutschland. Er erscheint eher als Außenseiter, als ein Mensch mit einem eher schwachen als bösen Charakter – (Pause) ein typischer Verlierer?

Anders dagegen Gigi. Er lernt schnell die neue Sprache. Er schließt Freundschaft mit dem Fotohändler Klasen. Und durch seine Beharrlichkeit gewinnt er auch die Anerkennung des berühmten Regisseurs Baldi.

Und Gigi träumt davon selber Filme zu machen… - mehr noch, Baldi macht ihn neugierig. Er sagt ihm: Es ist nicht wichtig was du machst. Schön und gut, aber was ist es dann, was so wichtig für das Leben ist? Hören wir auf Baldi.

CUT Nummer Zwei

(DVD 84:03 – Gigi sitzt allein auf dem freien Platz, sieht gedankenverloren in die Ferne) Moderation:

Der Zug ist abgefahren!

Und mit ihm Gigis Traum vom Auftritt bei den Ruhrfilmtagen, ja vielleicht gar die einmalige Chance, als Nachwuchs-Regisseur Beachtung zu finden. Giancarlo ist nicht gekommen. Sein Bruder hat ihn im Stich gelassen – wieder mal – wie schon beim Vogelfang und dem Einbruch im Photogeschäft. „Ja, ich komme“, hat Giancarlo ihm am Telefon versprochen. Doch das war nichts als heiße Luft. Wie so vieles in seinem Leben.

Der Film nimmt eine tragische Wende.

  • der strahlende Gewinner Gigi,
  • Liebling der Mutter,
  • verheißungsvoller Nachwuchs-Regisseur,
  • der Geliebte von Jo
  • der sympathische und authentische junge Mann,

… steht auf einmal vor dem Nichts.

Der Zug ist abgefahren. Der scheinbare Gewinner des so ungleichen Brüderpaares befindet sich auf der Verliererstrasse. Aus scheint es mit dem Feuer und der Leidenschaft!

Die Familie zerbricht endgültig in alle Einzelteile. Die anfänglichen Träume sind endgültig zerplatzt.

Tja, wer hat überhaupt sein Leben richtig gelebt? Romano? Rosa? Giancarlo? Gigi? Biographien mit Höhen und Tiefen. Wie wird es wohl nun weitergehen mit dieser kurvenreichen Familiengeschichte? Seht selbst ….

Nach dem Film

(Abspann läuft bis zum Ende) Schlußmoderation:

Ein Film übers Gewinnen und Verlieren, über das Reifen zu einer Persönlichkeit, so haben wir am Anfang gehört. So hat es der Regisseur Fatih Akin selbst gesagt.

„Mein Bruder gewinnt immer“ sagte der kleine Gigi ganz am Anfang des Films beim Wettspiel der Kinder. Und sehr oft stimmt das auch. Giancarlo erhält an Stelle von Gigi den Filmpreis, er befreundet sich mit Jo. Fast jeder Preis ist ihm recht, um seine Ziele zu erreichen. Aber hat er wirklich gewonnen?

Und Romano, Gigi und Rosa? Was denkst du? Wer gehört deiner Meinung nach zu den Verlierern? Wer zu den Gewinnern? Wer wird wie zu welcher Persönlichkeit? Und warum? Fragen an einen Interviewpartner oder in einer kleineren Gruppe an alle

  • Frage 1: Du hast den Film jetzt … -mal gesehen, ein bisschen etwas darüber gelesen. Wer ist für dich was für eine Persönlichkeit?
  • Frage 2: Was gehört denn deiner Meinung zum Werden einer Persönlichkeit? Spielt da der Glaube deiner Meinung nach auch eine Rolle?
  • Frage 3: In der Bibel geht es auch öfters um das Gewinnen und Verlieren. Z.B. im Lukasevangelium im 9.Kapitel heißt es „Welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verliert dabei sich selbst oder nimmt Schaden an sich selbst“ (Lukas 9, 25) - Wie verstehst du den Satz Jesu im Zusammenhang mit „Solino“?
  • Frage 4: Gibt es für dich Persönlichkeiten in der Geschichte oder in deiner Biographie, welcher dir zum Vorbild geworden ist, in Bezug auf ein gelingendes Leben? Was fasziniert dich an der Persönlichkeit von ihr oder von ihm?