Die liebe Sonntagsruhe (Peter Rostan)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
„Argumente für den Glauben“ – Folge 17.
Peter Rostan über die Frage, was es mit den Sonn- und Feiertagen auf sich hat: Erholung vom Zwang oder erzwungene Erholung ?
| Die liebe Sonntagsruhe | |
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| Autor | Peter Rostan |
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| Publikation | 18plus |
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Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis |
"Du sollst den Feiertag heiligen!" bruddelt die schwäbische Hausfrau aus dem Küchenfenster, weil der Nachbar ausgerechnet am Sonntag sein Motorrad repariert. Gleich danach wischt sie sich den Schweiß von der Stirn. Handgemachte Spätzle mit Sauerbraten sind ein hartes Stück Arbeit … Das Dritte Gebot scheint Auslegungssache zu sein. „Küchenarbeit“ ja - „Auto waschen“ nein?
Touristikberufe ja - Sonntagsbäckerei nein? „Bilder malen“ ja, „Bilder an die Wand dübeln“ nein? Im Judentum wurde das Feiertagsgebot bis zur Perfektion verfeinert. Ultraorthodoxe durften in der Antike am heiligen Sabbat keine Gegenstände außerhalb der Hofmauern transportieren. Im Lauf des Mittelalters wurde die Regel entschärft und auf die Stadtmauer ausgedehnt. Als schließlich die Städte keine Mauern mehr hatten, behalf man sich mit einem Draht, der zur Wahrung des Sabbatgebotes rund um die Siedlung oder die Großstadt gezogen wurde. In Israel werden diese symbolischen Drähte bis heute regelmäßig kurz vor Sabbatbeginn kontrolliert, damit Strenggläubige kein schlechtes Gewissen haben müssen.
Schade, dass bei allen frommen Regelwerken die eigentliche Herausforderung des Dritten Gebotes aus dem Blick gerät. Ich sehe sie auf drei verschiedenen Ebenen:
Der Feiertag – ein gesellschaftliches Event
Der wöchentliche Rhythmus aus Arbeit und Freizeit ist mehr als nur ein religiöses Gebot. Es geht um elementare Lebensabläufe, um eine Grundschwingung des Lebens, die entweder im Gleichklang mit den anderen in Resonanz gerät oder im allgemeinen Durcheinander irgendwann in ein gestaltloses Rauschen übergeht. Wenn schon der Tagesablauf der Menschen durch Gleitzeit und Schichtdienst stark variiert, sollte wenigstens die Woche noch einem synchronen Rhythmus unterliegen. Wer die gemeinsamen Ruhetage abschafft, braucht sich nicht wundern, wenn irgendwann das ganze Gesellschaftssystem auseinanderbricht. Der Sonntag bietet Raum für Begegnungen, für verbindende Erlebnisse und stabilisierende Kontakte. Er vermittelt sogar schon unter der Woche ein gemeinsames Lebensgefühl. Schließlich treffen sich die unterschiedlichsten Berufswelten an diesem einen Punkt: „Die Arbeit ist wie Robinson – Warten auf Freitag“ (und damit aufs gemeinsame Wochenende)! Kein Wunder also, dass neben den frommen Zeitgenossen auch manch kirchenkritischer Soziologe für den Sonntagsschutz ins Feld zieht.
Der Feiertag – mehr als nur ein Kurzurlaub
Nach gängigem Arbeitsrecht dienen die jährlichen Urlaubstage der Erholung, sprich: der Wiederherstellung der Arbeitskraft. Der Urlaub unterstützt die Arbeit, dafür ist er da. Ganz anders verhält es sich beim wöchentlichen Feiertag: Die Bibel sieht in ihm die Vollendung der Schöpfung (Sabbat), bzw. den Beginn der Neuschöpfung (Sonntag). Er ist nicht die Ausnahme, sondern die Mitte menschlichen Lebens. Hier wird die besondere Würde von uns Menschen deutlich, die eben nicht in unserer Arbeitsleistung, sondern in unserer Person liegt. Der Mensch lebt nicht, um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben. Erst wenn die Maschinen still stehen, erahnen wir etwas vom Glanz des Lebens, zu dem Gott sagt: „Siehe, es war sehr gut“ (Genesis 1). Deshalb ist die Ruhe des Feiertages mehr als nur eine Erholungspause. Sie erinnert uns daran, wie wertvoll unser Leben ist. Weil jedem Menschen eine unverlierbare Würde zukommt, galten im Alten Israel die Sabbatgebote übrigens auch für die ausländischen Fremdarbeiter…
Der Feiertag – ein Fest mit Gott
Am Feiertag trifft sich die Gemeinde zum Gottesdienst. So ist es von Gott her gedacht. Der Sonntag bietet Raum für die gemeinsame Begegnung mit Gott.
In den letzten Jahren reagieren die Kirchen auf die Gottesdienstmüdigkeit mit vielen Spezialevents, Zielgruppenveranstaltungen und Andachten zur Wochenmitte. Bei allem Verständnis und Respekt – wir sollten das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Der gemeinsame, generationsübergreifende Start in den neuen Feiertag bietet tolle Chancen! Weil es wahr ist, dass der Feiertag uns Menschen an unsere Würde erinnert, ist es auch wahr, dass der Sonntagsgottesdienst diese Würde als gemeinsame, von Gott zugesprochene Würde erkennbar macht. Solange eine Gemeinde mit attraktiven Gottesdiensten im besten Sinn den „Feiertag heiligt“, wird es nicht an engagierten Christen fehlen, die für den Schutz des Sonntages eintreten. Auf kleinliche Regelwerke und vermeintlich fromme Miesmacherei kann so getrost verzichtet werden.
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