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Erwachsen werden - Erwachsen glauben (Matthias Kerschbaum, 2003)

aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen

Wo früher Lebensläufe vielfach klar vorgezeichnet und vorhersagbar waren, ist die Lebensphase von Jungen Erwachsenen heute zu einer offenen Lebensphase geworden, die viele als Zeit "dazwischen" empfinden.



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Inhaltsverzeichnis



1. Thema: Erwachsen werden – Erwachsen glauben

(fokussiert auf die Arbeit mit Jungen Erwachsenen)

1.1. Erwachsen werden

Junge Erwachsene befinden sich in einem Lebensübergang zwischen Jugend- und Er-wachsenenstatus. In diesem Altersabschnitt erreicht der Mensch den Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Eine Differenzierung ist jedoch unerlässlich, da es in der Altersgruppe der Jungen Er-wachsenen große Unterschiede zwischen den einzelnen Biographien gibt. Während in der Kindheit und in der Schulzeit die Biographien noch einigermaßen ähnlich verlaufen, driften im Jungen-Erwachsenen-Alter die Lebensläufe vollkommen auseinander. Dies trifft auch auf die Altersgruppe der Jungen Erwachsenen im Kirchenbezirk Kirch-heim/Teck zu und bestätigt sich in der Auswertung einer Befragung. Die Jungen Er-wachsenen gibt es nicht als fest umrissene Altersgruppe. Verschiedene Faktoren wie Lebensgefühl, Ausbildung, psycho-soziale Entwicklung, Familienstand und ökonomisch-soziale Abhängigkeiten von Eltern beeinflussen die Einbindung in die Gruppe der Jungen Erwachsenen. Deswegen ist es schwierig, die Lebensphase der JE genau nach Alter zu definieren. Um dies zu verdeutlichen, gebe ich im Folgenden Einblick in die Altersdis-kussion.

1.1.1. Junge Erwachsene – wer sind sie?
Erwachsen sein heißt aufhören, körperlich zu wachsen. Deshalb beginnt rein biologisch das Erwachsensein mit Eintritt der vollen Geschlechtsreife. So ist es verständlich, dass man in der Individualentwicklung eines Menschen „lediglich zwischen Embryonalentwick-lung, dem Jugendstadium, dem Adultstadium (Reifestadium) und der Periode der Se-neszenz (Alterung)“ unterscheidet. Bei diesem Modell bleibt die Zwischenphase des JE-Alters jedoch unberücksichtigt und kognitive, seelische und emotionale Entwicklungen werden ausgeblendet. Interessant ist die Unterscheidung im Kinder- und Jugendhilfegesetz. Bis zum 18. Le-bensjahr spricht das Gesetz von Jugendlichen. Ab 18 Jahren und unter 27 Jahren gilt hier die Bezeichnung junger Volljähriger. Noch ausgeprägter stellt Hobmaier die Phase zwischen Jugend und Erwachsenen-Alter in seinem Lehrbuch der Psychologie dar. Er unterscheidet zwischen drei Erwachsenenstufen. Die erste Phase, das JE-Alter, liegt zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr. In dieser Phase geht es „vornehmlich um dauer-hafte Partnerschaft und Familiengründung, den Einstieg in den Beruf, die Organisation von Heim und Haushalt sowie um den Aufbau angemessener sozialer Beziehungen“. Rimmele verdeutlicht dies, indem sie vom JE-Alter als einer Such- und Klärungsphase spricht, die viele als Zeit „dazwischen“ empfinden. Wo früher Lebensläufe vielfach klar vorgezeichnet und vorhersagbar waren, ist die Lebensphase von JE heute zu einer offe-nen Lebensphase geworden. Auffällig ist, dass in einfacheren Kulturen die jungen Menschen schon viel früher als vollwertige Erwachsene betrachtet werden. Riten und Bräuche gewährleisten dabei einen geregelten Übergang zum Erwachsenenalter, indem die „erwachsenen“ Rollen klar zugewiesen sind. Dagegen verschiebt sich die Erwachse-nengrenze in unserer Industriegesellschaft immer weiter nach hinten. Die Begründung dafür findet sich in längeren Ausbildungszeiten, hohem geforderten Einsatz an Flexibilität und Mobilität im Beruf, postulierte Attraktivität des Singledaseins und dem „Fehlen echter Aufgaben, Werte und Ziele in dieser Gesellschaft“ .

1.1.2. Die (Un-)Möglichkeit Erwachsen zu werden
Die Entwicklungspsychologie hat eine neue Lebensphase auf dem Weg des Menschen zum Erwachsenenalter entdeckt. Durch die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen wird neben den drei Lebensphasen Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter eine vierte Phase, das „auftauchende Erwachsenenalter“ benannt. Junge Menschen sind mit 18 Jahren keine Jugendlichen, aber sie sind noch nicht erwachsen. Die Phase des „auftau-chenden Erwachsenenalters“ ordnet Jeffrey Jensen Arnett zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr ein, da in diesem Lebensabschnitt noch eine gewisse Unabhängigkeit von den sozialen Rollen und normativen Erwartungen besteht. Das „auftauchende Erwach-senenalter“ macht deutlich, dass die jungen Menschen die Abhängigkeiten der Kindheit und der Jugend hinter sich gelassen haben, aber noch nicht die Verantwortungen des Erwachsenenlebens ausfüllen. Als wirkliche Zeichen des Erwachsenseins werden indivi-duelle Charaktereigenschaften bezeichnet. Besonders hervorgehoben werden dabei, „Verantwortung übernehmen“, „unabhängig Entscheidungen treffen“ und „finanzielle Un-abhängigkeit“. Abschließend ist zu sagen, dass die Lebensphase des Erwachsenseins nicht selbstver-ständlich automatisch auf Kindheit und Jugend folgt. Was frühere Generationen (Eltern bzw. Großeltern) für Erwachsensein hielten und halten, ist für junge Menschen heute nicht mehr automatisch gültig. Die lineare Abfolge der Lebensphasen ist in der jetzigen Gesellschaft nicht mehr vorauszusetzen. Junge Menschen müssen auf eine ganz neue Art erwachsen sein. M.E. kann von einem Erwachsensein nur in biologischer Hinsicht gesprochen werden. Emotional, seelisch und kognitiv gibt es keinen Endpunkt, dessen Erreichen das Erwachsen sein markiert. Probleme und Fragen sind nicht mit dem Errei-chen des „Erwachsenseins“ erledigt, und eine Bedienungsanleitung oder einen Atlas zum Erwachsenwerden gibt es nicht für diese Welt. In dieser Hinsicht könnte man über-spitzt von der „(Un-)Möglichkeit“, Erwachsen zu werden, sprechen. Erwachsen werden ist die Phase, in der ein Mensch sich der emotionalen, seelischen und kognitiven Herausforderung bewusst wird und sie annimmt.

1.1.3. Aktuelle Beobachtungen – Wie werden heute junge Menschen erwach-sen?
Die Lebensphase Jugend beginnt mit der Geschlechtsreife. Damit endet die Kindheit und der Mensch tritt in gesellschaftliche Verantwortungsbereiche ein. Auf der einen Seite wandert das Datum der Geschlechtsreife in immer frühere Altersstufen. Andererseits endet das Jugendalter immer später. Interessant ist, dass das Streben nach Selbstbe-stimmung, Eigenverantwortung und Autonomie schon sehr früh vorhanden ist. Dagegen verschiebt sich die wirtschaftliche Unabhängigkeit zusehends auf spätere Jahre. Mit der Übernahme der wichtigsten Aufgaben von „Erwachsenen“ ist in unserem Kulturkreis der Austritt aus dem Jugendalter markiert. Vor allem durch die langen Ausbildungszei-ten verschiebt sich der Weg bis zum vollwertigen, erwachsenen Gesellschaftsmitglied bis in das dritte Lebensjahrzehnt. Zum Erwachsenwerden gehört daher die „Subjektwer-dung“ eines Menschen, in der er sich mit seinen biologischen Anlagen, der körperlichen Konstitution, der Grundstruktur der Persönlichkeit und den Vorgaben der sozialen und physikalischen Umwelt auseinandersetzt. In dieser Phase vollzieht sich demnach die Persönlichkeitsentwicklung. Sie gelingt, „wenn in der ständigen Auseinandersetzung eines Menschen mit den inneren und äußeren Anforderungen Subjektivität behauptet und Identität etabliert werden können“ . Obwohl Menschen erst spät in die Rolle eines vollwertigen, erwachsenen Gesellschaftsmitgliedes eingehen, kann man m.E. trotzdem von einer „Frühreife“ der Persönlichkeitsentwicklung sprechen. Damit ist die persönliche Selbstorganisation gestiegen. Die Jugendforschungen der letzten Jahre weisen auf eine hohe Selbstzentriertheit bei Jugendlichen hin. Die aktuelle Shell-Studie verwendet des-wegen den Begriff „Egotaktiker“, um den Sozialcharakter der Mehrheit der Jugendlichen zu bezeichnen. Egotaktiker analysieren, wo sie selbst in ihrer persönlichen Entwicklung stehen. Hier geht es darum, das beste aus einer Situation zu machen und vorhandene Chancen wahrzunehmen. Ihr Kennzeichen ist eine abwartende und sondierende Haltung mit der Fähigkeit, Chancen zu nutzen. „Die egotaktische Grundeinstellung ist so gesehen die angemessene Antwort auf die Offenheit der Struktur der Lebensphase Jugend, deren Ausgang in das verantwortungsvolle Erwachsenenalter ungewiss geworden ist.“ Dazu kommt der Begriff der egotaktischen Lebensführung, der die Anforderung der Selbstor-ganisation beschreibt. Für die Gestaltung des täglichen Lebens gibt es viele Freiheiten und Möglichkeiten. Dadurch entsteht der Zwang, sich selbstständig entscheiden zu müs-sen. Ein innerer Kompass ist nötig, damit die jungen Menschen ihre Lebenssituation pro-duktiv bewältigen können. So können sie ihren eigenen Weg finden. Eindeutige und be-zweifelbare Normen und Werte, feste Zugehörigkeiten und Milieus, kalkulierte und klare Abfolge von persönlichen Lebensschritten, sichere moralische und ethische Standards, eindeutige soziale Vorbilder als Voraussetzung für die Persönlichkeitsentwicklung sind heute auf keinen Fall selbstverständlich. Damit junge Menschen sich auf die Ausgangs-bedingungen einstellen können, brauchen sie soziale und intellektuelle Kompetenzen und die Fähigkeit, ihr eigenes Lebenskonzept zu entwerfen und ihre Identität darauf ein-zustellen. Die Anforderungen an die Selbstorganisation sozialer Statuspassagen vom Jugendlichen zum Erwachsenen werden anhand von drei Bereichen verdeutlicht.

1. Die Statuspassage ins Berufsleben
Dabei fallen erheblich längere schulische, berufliche und hochschulische Ausbil-dungsgänge auf. Es lastet dazu ein hoher psychischer Druck auf den jungen Men-schen, wegen des engen Arbeitsmarktes und den daraus resultierenden gestiege-nen, formalen Bildungserwartungen.

2. Die Statuspassage zur eigenen Familie
Die soziale und physische Ablösung erfolgt heute schon teilweise mit elf und zwölf Jahren. Durch die veränderten Erziehungsstile ist eine konfliktarme Ablösung vom El-ternhaus möglich. Aufgrund längerer Ausbildungsgänge und der weiterhin bestehen-den finanziellen Abhängigkeit können sich jedoch die Prozesse der Ablösung verlän-gern. So können Verunsicherungen entstehen, die möglicherweise das Selbststän-digwerden bremsen. Außerdem kann man nicht mehr voraussetzen, dass die Ablö-sung von der Herkunftsfamilie selbstverständlich durch die Gründung einer eigenen Familie abgeschlossen wird.

3. Die Statuspassage in den Freizeit- und Konsummarkt
Als eine zentrale Entwicklungsaufgabe wird die Anerkennung bei Gleichaltrigen und die Integration in ihre sozialen Gruppen beschrieben. Dabei entsteht ein hoher Sta-tusdruck und Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung Gleichaltriger durch Gleichaltri-ge. Die Selbstdarstellung wird damit zur Pflicht. Insgesamt ist zu sagen, dass die Jugendphase durch ihren Strukturwandel zu einem offenen und frei gestaltbaren Lebensabschnitt wurde. Wo früher Lebensläufe vielfach klar vorgezeichnet und vorhersagbar waren, ist die Lebensphase von JE heute zu einer offenen Lebensphase geworden. JE sind heute in einem Umfang wie wohl noch nie zu-vor in der Geschichte herausgefordert, ihre eigene Identität, ihr eigenes, für sie stimmige Lebens-Werte- und Glaubenskonzept zu finden. Das Junge-Erwachsenen-Alter ist ein Prozess des Experimentierens mit dem Ziel sich festzulegen und eine eigenständige profilierte Persönlichkeit zu werden, die das entdeckt und anpackt, was „ihr Ding“ ist und die sich im Dschungel des Lebens mit seinen vielen Herausforderungen zurechtfindet, um dann „ihren Mann/ihre Frau“ stehen zu können.

An dieser Stelle versuche ich eine eigene Eingrenzung der Altersbestimmung von JE. In einem Gesprächskreis für JE haben wir die Altersspanne für JE von 18-29 Jahren disku-tiert. Trotzdem muss man m.E. eine weitere Differenzierung vornehmen, da sich die Le-bensthemen in diesem Altersbereich massiv unterscheiden. Eine erste Phase des JE-Alters bildet die Zeit von 18-22 Jahren, weil in diesem Zeitraum die Autonomie von den Eltern, die Identität in der Geschlechterrolle und die Berufswahl meist im Vordergrund stehen. In geistlicher Hinsicht befindet sich der junge Mensch in dieser Zeit im Übergang der Glaubensstufen, die Fowler als synthetisch-konventionellen Glauben und individuie-rend-reflektierenden Glauben bezeichnet. In einer zweiten Phase stehen im Alter von 23-29 Jahren Themen wie Heirat, Geburt von Kindern und Arbeit/Beruf stärker im Vor-dergrund. Deswegen gilt es bei der Arbeit mit JE, die Lebensthemen und Lebenswelten der jeweiligen Gruppe wahrzunehmen.

1.1.4. Lebensthemen von JE
Aufgrund ihrer besonderen Situation haben JE eigene Themen, die sie beschäftigen und die bei Angeboten für JE folglich berücksichtigt werden müssen. Eine zielgruppenorien-tierte Arbeit kann man nur leisten, wenn man um die Bedürfnisse und Themen der Ziel-gruppe weiß. Die Themen der JE hängen eng mit deren Lebensumständen zusammen. So werden die Lebensumstände oft zu Themen der JE. Die eigene Identität zu finden ist für JE mit das zentralste Thema. Daneben stehen Freunde, Partnerschaft, Beruf und die Suche nach dem Sinn des Lebens. Diese Punkte bestimmen das Leben der JE und korrespondieren gleichzeitig mit ihren Zielen und dem, was ihnen im Leben wichtig ist, nämlich Freunde, Partnerschaft, Glau-be, Gesundheit und Beruf, um nur einige der wichtigsten Punkte zu nennen. Neben Lebensthemen Junger Erwachsener muss zielgruppenorientierte Arbeit vor allem die unterschiedlichen Lebenswelten beachten.

1.1.5. Lebenswelten – Wie sind JE?
Die Situation der JE und ihr persönlicher Lebensentwurf gestalten sich sehr individuell. Trotz dieser Individualität von JE gibt es Gemeinsames und Verbindendes. Der Soziologe Gerhard Schulze kennzeichnet unsere Gesellschaft als Erlebnisgesell-schaft mit dem Erleben als dem Zentralwert, an dem sich große Teile unserer Bevölke-rung orientieren. Dies begründet Schulze mit seinem Kerngedanken, der lautet, dass sich die Gesellschaft von einer Mangel- zu einer Überflussgesellschaft gewandelt hat, weg von außenorientierten Zielen, hin zu innenorientierten Zielen. Die außenorientierten Ziele werden mit der Sicherung der ökonomischen Existenz beschrieben. Aufgrund der meist gesicherten ökonomischen Existenz durch die wirtschaftlich-technologische Ent-wicklung meint Innenorientierung dagegen die Verwirklichung eines „schönen Lebens“. Mit dem Übergang der Gesellschaft von der Außenorientierung zur Innenorientierung erfuhr das persönliche Erleben eine unübersehbare Aufwertung. Jeder muss nun für sich selbst bestimmen und definieren, was für ihn der persönliche Leitwert ist oder was für ihn gut ist. Dazu passt ein Wort von Nietzsche: „Nachdem wir den Horizont weggewischt haben, ist nun jeder, jedes Individuum sich selbst der letzte Horizont“. Die Überflussge-sellschaft bietet viele unübersichtliche Auswahlmöglichkeiten. Die große Angebotspalette zwingt das Individuum zur eigenständigen Auswahl. Der Maßstab für dieses Auswählen ist nun nach Schulze das Erleben. Trotzdem geht er davon aus, dass Menschen Ord-nungen benötigen, damit sie leben können. Eine Konstruktion, die sie vor permanenter Überforderung schützt und ihnen Sicherheit gibt. Diese nennt er alltagsästhetische Schemata. Die Schemata beschreibt er als Hochkultur-, Spannungs- und Trivialsche-ma. Im Jugendwerk Kirchheim/Teck finden sich JE aus allen drei Schemata. Die meisten JE der bestehenden Arbeit sind im Spannungsschema einzuordnen. Hier spielt der Kör-per eine zentrale Rolle. Es besteht ein besonderes Bewusstsein von Individualität. Style steht im Vordergrund. Man zeigt sich her und mustert die anderen. Unruhe, Aktivität, Abwechslung und die Suche nach Erlebnisreizen sind bezeichnend für dieses Schema. Neben den alltagsästhetischen Schemata betont Schulze, brauchen Menschen soziale Milieus. Menschen eines Milieus ähneln sich in Lebenssituation, Lebensstil und Weltori-entierung. Die Milieus beschreiben „Gemeinsamkeiten unter der Bedingung der Individu-alisierung“. Im weiteren beschreibt Schulze fünf Milieus. JE sind dabei in allen be-schriebenen Milieus vorhanden. Schwerpunktmäßig treten die JE jedoch im Unterhal-tungs- und Selbstverwirklichungsmilieu auf. Das Selbstverwirklichungsmilieu ist durch Unbekümmertheit, Ich-Bezogenheit und die Suche nach Abwechslung gekennzeichnet. Das Unterhaltungsmilieu definiert sich durch Bedürfnisorientierung, Konsumfreude und politischer Unterordnung. Vertreter aus dem Selbstverwirklichungs- und Unterhaltungs-milieu sind als Mitarbeiter/innen und Teilnehmer/innen im Ev. Jugendwerk Kirchheim zu finden.

Die Themen Junger Erwachsener ergeben sich aus ihrer Lebenswelt, ihren Fragen und Wünschen. In der Arbeit mit JE gilt es, Lebensthemen und Lebenswelten zu verbinden. Das bedeutet, dass man sich davon lösen muss, alle JE pauschal erreichen zu wollen. Milieuorientierte Angebote stellen von daher eine gute Lösung und Orientierung dar.

1.1.6. Wer ist nun erwachsen?
In den folgenden Beobachtungen, versuche ich eine umfassende Darstellung des Er-wachsenseins. Dazu helfen drei Beschreibungen:

a. „Ich bin erwachsen, weil ich die Verantwortung für mein Leben trage.“ 

Dieser Punkt wird in der Literatur am deutlichsten und sehr umfangreich bearbeitet. Dazu fasse ich fünf Herausforderungen an die JE zusammen:

  • Eigenständigkeit gewinnen – Emanzipation
  • Eigenverantwortung übernehmen
  • Entscheidungsfähigkeit einüben
  • Beziehungsfähigkeit ausbauen
  • Freiheit gestalten
b. „Ich bin erwachsen, weil ich Kompetenzen besitze, die mich lebensfähig machen.“ 

Zum Erwachsenwerden gehört es, festzustellen, welche Kompetenzen man be-sitzt, und welchem Weltbild man sich verpflichtet fühlt und wie man sein Leben gestalten möchte. Das Weltbild gibt dem Leben ein Grundmuster, an dem man sich orientieren kann. Diese Orientierung könnte man zum Beispiel in einem ro-busten Materialismus, einem pragmatischen Idealismus, einem an Nichts glau-benden Nihilismus oder dem Glauben an Jesus Christus finden. Das Weltbild wird die Auswahl von Kompetenzen bestimmen, die jemand für wichtig erachtet.

c. „Ich bin erwachsen, weil ich weiß, warum ich lebe.“ 

In unserer Gesellschaft wird immer weniger die Grundbedeutung des Lebens be-leuchtet. Über Sinn und Unsinn des Lebens wird kaum noch diskutiert. Die Grundfragen des Menschseins bleiben unbeantwortet oder werden nicht gestellt. Deswegen taumeln viele JE orientierungslos durch das Leben. Viele Nebensäch-lichkeiten bremsen die eigene Auseinandersetzung. Daher müssen Orte der Be-gegnung geschaffen werden, wo wieder über die Grundbedeutung des Lebens und damit des Glaubens diskutiert werden kann.

Die Darstellungen zeigen, dass Menschsein niemals bedeutet, „fertig zu sein“. Der Mensch ist immer auf dem Weg. Von daher darf man m.E. bei JE nicht von einer defizitären Lebensphase ausgehen. Wie unter Punkt 5.1.2. angedeutet, ist es sinnvoll von den im Jungen-Erwachsenen-Alter spezifischen Entwicklungsaufgaben und Herausforderun-gen zu sprechen. Diese haben dann natürlich Auswirkungen auf den Glauben.

1.2. Erwachsen glauben

Damit der Glaube mehr bleibt als eine Teenagererinnerung, muss der Glaube mit dem Erwachsen werden mitreifen. Dazu gehört das kritische Reflektieren. Spätestens im jun-gen Erwachsenenalter ist der Glaube nicht mehr nur Erfahrungssache, sondern auch eine Sache des Verstandes. Um sich selbst besser zu verstehen, ist es hilfreich, nach den eigenen Wurzeln zu fragen. So ist es möglich „Typisches“ und „Eigenes“ der eige-nen aktuellen Lebensphase zu entdecken. Im Leben der Jungen Erwachsenen gibt es manches, das typisch für ihre Lebens- und Glaubensphase ist. Diese typischen Merkma-le helfen, JE besser zu verstehen. Es ist möglich entsprechend dieser Merkmale, das Leben und den Glauben in verschiedene Phasen einzuteilen.

1.2.1. James Fowler – Stufen des Glaubens
Fowler verbindet in seiner Theorie des Wachstums im Glauben psychologische Konzep-tionen mit theologischen Konzeptionen.

So beschreibt Fowler den Glauben in allgemeinster Weise: "Glauben [...] ist ein universales menschliches Verlangen. Bevor wir religiös oder nicht-religiös sind, bevor wir dazu gelangen, uns als Katholiken, Protestanten, Juden oder Mos-lems zu sehen, sind wir schon mit Glaubensfragen beschäftigt. Ob wir Nichtgläubige, Ag-nostiker oder Atheisten werden, wir sind mit dem Problem beschäftigt, wie wir unser Leben einrichten und womit unser Leben lebenswert werden kann."

Dabei unterscheidet Fowler die Begriffe Faith und Beliefs. Der Begriff Faith hat mit dem Menschen in seiner Ganzheit zu tun. Von diesem Begriff geht Fowler hauptsäch-lich bei seinem Stufenmodell aus. Fowler hat seine Ergebnisse in einer Abfolge von maximal sieben in ihrer Qualität sich unterscheidenden hierarchischen Stufen geordnet.

Stufe 
Beschreibung
Undifferenzierter Glaube 
Der Glaube ist vorsprachlich und wird von Urvertrauen geprägt.
Intuitiv-projektiver Glaube 
Intuitionen und Phantasie bestimmen die Glau-benswelt. Gefühls- und Vorstellungsorientierun-gen des Glaubens können geformt werden.
Mythisch-wörtlicher Glaube 
Der Realitätssinn nimmt zu. Erzählungen verlei-hen dem Kind Sinn. Vor dem Hintergrund von Wünschen und Interessen werden eigene Erfahrungen und diejenigen der anderen interpretiert. Gott belohnt und bestraft.
Synthetisch-konventioneller Glaube 
Die Perspektivenübernahme ist erreicht. Der Glaube ist Hilfe zur Identitätsbildung.
Individuierend-reflektierender Glaube
Die Fähigkeit, Abstand von sich selbst zu neh-men, ermöglicht, den bisherigen Glauben kritisch zu hinterfragen, um einen eigenen Standpunkt zu gewinnen.
Verbindender Glaube 
Der Glaubende relativiert seine eigene Position, anerkennt andere Standpunkte und sucht Ge-meinsamkeiten auf der Grundlage von Toleranz und einem gewissen Relativismus.
Universalisierender Glaube 
Der Glaube umfasst das gesamte Dasein und gilt als Symbol für das allumfassende Reich Gottes.

In den oben dargestellten Stufen wird ein Entwicklungsprozess des Glaubens dargestellt. Dabei kann man die Annahme einer Höherentwicklung denken. Fowler bezeichnet die Phase der JE als „individuierend-reflektierenden Glauben“. In dieser Phase wird der Glaube zu etwas Eigenem. Er verbindet sich mit der eigenen Persönlichkeit. Das Auto-nomiebewusstsein gewinnt an Bedeutung. Der JE entdeckt die Möglichkeit, sein Leben selber in die Hand zu nehmen. Deswegen beschreibt Schellenberger diese Stufe auch zurecht mit der „kritischen Zeit der Aufklärung“. „Unbewusstes oder bewusstes Kriteri-um für die Gestaltung des Glaubens ist die Frage, was im eigenen Leben trägt, weiter-bringt, Geborgenheit und Orientierung gibt (...)“. Die Gottesbilder und Gottesvorstellun-gen aus Kinder- und Jugendtagen verändern sich und passen oft nicht mehr. Die eigene religiöse Biographie wird kritisch hinterfragt. Die JE sind wie bei der Ablösung von den Eltern im Glauben herausgefordert, geistig auf eigenen Beinen zu stehen. Daraus erge-ben sich vor allem zwei Gründe, warum sich einige mit dem Glauben in dieser Lebens-phase schwer tun:

1. Die Lösung von Autoritäten (Eltern, Jugendleiter, usw.) heißt unbewusste Lösung von Glaubensvorstellungen. Damit stellt sich die Herausforderung an die Arbeit mit JE, JE zu helfen, sich von Autoritäten zu lösen und gleichzeitig eine eigene Ausprägung des Glaubens zu finden.

2. Die Vernunft und der Glaube an den lieben Gott sind seit der Aufklärung schwer vereinbar. Leider hat dieses Argument immer noch Gewicht. Die Altersstufe der JE kann durch die gemachten Beobachtungen als Stufe akuter religi-öser Krise bezeichnet werden. Persönliche Erfahrungen und Lebensanforderungen stellen den Glauben auf die Probe oder machen ihn bei manchem erstmals zum Thema. Hier entscheidet sich bei denen, die den christlichen Glauben bereits als Kind miterlebt oder sich als Jugendliche/r für ihn entschieden haben, ob er den Hürden, Krisen und Herausforderungen des Lebens standhält. Christliche Inhalte müssen sich im handfesten Alltag bewähren und biographisch reflektiert werden, um in einem erwachsenen Leben alltags- und lebensrelevant zu sein.

1.2.2. Mögliche Konsequenzen und Umgang mit dem Glauben
Die Krisen des Jungen-Erwachsenen-Alters können zu unterschiedlichen Konsequenzen führen. Das heißt, es gibt verschiedene Varianten wie der JE mit dem Glauben umgehen kann. Folgende Alternativen sind denkbar:

1. Sich vom Glauben lösen 

Manche lösen sich durch ihr Streben nach Unabhängigkeit von ihrem Kinderglau-ben und setzen damit auf die Vernunft. Die Beziehungen zur Kirche und Religion werden abgebrochen. Sie lösen sich von Autoritäten und damit manchmal unbe-wusst vom Glauben. Oft folgt daraus ein verschwommener „Deismus“.

2. Den Glauben reduzieren 

Der Schwerpunkt liegt auf der eigenen persönlichen religiösen Erfahrung. Durch das Bedürfnis nach Selbstständigkeit kann der JE seine ganz eigene selbstge-machte religiöse Weltanschauung entwickeln. Die Individualität steht dabei im Vordergrund. So verwendet der JE die Religion als Mittel zum Zweck. Was dazu nicht passt, kann für den JE nicht richtig sein.

3. Verdrängen 

Der JE will alles selbst im Griff behalten. So klammert er sich an seinen Kinder-glauben und damit an die Autorität Gottes. Der Verlust des Kinderglaubens wird bedrohlich erlebt. Außerdem neigt er dazu, Probleme der Welt und des Glaubens zu verdrängen. Dazu passt, dass der JE oft einem Bedürfnis nach Abhängigkeit nachgibt. Manchem kommt Kirche dabei zu „lasch“ vor, deswegen sucht der JE möglicherweise nach stärkeren religiösen Bindungen. Zur Verdrängung gehört auch, dass viele Dinge (z.B. Neid, Aggression, Gier ...) tabuisiert werden, da sie anscheinend nicht zu den Normen christlicher Jugendarbeit gehören. Abschlie-ßend ist hier zu sagen: „Wenn wir uns aber dem, was wir verdrängen, nicht nach und nach stellen, berauben wir uns selber wichtiger Entwicklungsimpulse.“

4. Sich den Glauben aneignen und darin wachsen 

Ein Ziel wäre es, dass ein JE eine reife, ausgewogene Form des Glaubensbe-wusstseins findet, das seiner Alters- und Bewusstseinsstufe entspricht. Über al-lem steht, dass Glaube grundsätzlich Berufung und Gepacktwerden bedeutet. „Durch den Glauben wird Leben geschaffen. Durch den Glauben wird das Leben aus dem befreit, was es bedrückt, einengt, ersticken will.“

1.2.3. Im Glauben wachsen – Qualitätsmerkmale eines gesunden Glaubens
Der Glaube ist ein Geschenk Gottes. Und so gibt es eine göttliche als auch eine mensch-liche Seite des Glaubens. Hier lautet ein Aspekt: Wie wirkt sich der Glaube auf die Persönlichkeitsentwicklung und auf das Zusammenleben der Menschen aus? Auf dieser allgemein menschlichen Ebene kann man von Qualitätsmerkmalen des Glaubens sprechen. Je „gesünder“ der Glaube ist, desto besser sind seine langfristigen Wachstums-möglichkeiten. Deswegen stelle ich fünf beispielhafte Merkmale des Glaubens dar, wel-che sich nachhaltig positiv auf das Leben auswirken.

1. Der Glaube weitet den Horizont der Wahrnehmung des Menschen.
Natürliche Entdeckerlust wird nicht aus Angst vor dem „Abfall“ blockiert.

2. Der Glaube dient nicht dazu, Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung zuzudecken.

Der Mensch ist immer weniger darauf angewiesen, sich etwas vorzuma-chen.

3. Der Glaube fördert die Mündigkeit, alles zu prüfen und auf persönliche Weise zu verarbeiten.

Es muss die Ablösung von geistlichen Vätern und Müttern geschehen. Verlangter blinder Gehorsam ist kontraproduktiv.

4. Der Glaube befreit zu eigenständigem Denken und einem angemessenem Wert-schätzen der Vernunft.

Zweifel sind keine Zeichen des Unglaubens, sondern ge-hören zum Wachstum des Glaubens.

5. Der Glaube lernt Spannungen zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Leben auszuhalten.

Er hilft, zwischen sich anscheinend widersprechenden Aussagen die Wahrheit zu entdecken.

Diese Merkmale werden m.E. gefördert, wenn (Wunsch-)Gottesbilder zerbrechen und der Mensch auf die Suche gehen muss, was biblisch wirklich trägt. Damit heißt geistlich wachsen vor allem in der Gotteserkenntnis wachsen. Das kann aktiv unterstützt werden, indem man in der Bibel auf neue Entdeckungsreisen geht. Dabei geht es nicht um Suche nach dem persönlichen „Besserwerden“, sondern darum, die Vielfalt in der Bibel wahrzu-nehmen, die einen begrenzten Vorstellungsrahmen des Menschen immer wieder neu hinterfragt.

2. Umsetzung: Konzeptentwicklung für die Arbeit mit JE

2.1. Allgemeine Informationen – Ausgangssituation
Im Bezirk gibt es schon seit mehreren Jahren einen Jugendgottesdienst, der regelmäßig im Jahr an verschiedenen Orten stattfindet, von Jugendlichen vor Ort vorbereitet und von ca.150 bis 200 Jugendlichen besucht wird. Der Gottesdienst richtet sich an Jugendliche ab 14 Jahren und ist geprägt durch viel Musik, Action, und einer kurzen, aber missionari-schen Predigt. Aus der Beobachtung heraus, dass dieser Gottesdienst nicht mehr dem Alter der JE entspricht und aus der Erkenntnis heraus, dass JE oft nur in ihrer „Funktion“ als Mitarbeiter/innen wahrgenommen werden entstand im Ev. Jugendwerk Kirch-heim/Teck der Wunsch nach einer Konzeption für die Arbeit mit JE. Damit wurde ich beauftragt. Im Folgenden werde ich den Prozess dieser Konzepterstellung beschreiben.

2.2. Information
2.2.1. Auseinandersetzung mit der Zielgruppe
Bei meinem Dienstantritt begann ich mit der Wahrnehmung und Prüfung der bestehen-den Angebote und der Begegnungsmöglichkeiten von JE. Dabei stellte ich fest, dass bereits ein Erbauungsgottesdienst für diese Altersgruppe als Fortführung der Jugendgot-tesdienste entstanden war. Dieser Gottesdienst stellt m.E. durch seine spezielle Art nur ein Angebot für einen bestimmten Teil der JE dar. Daneben fiel mir auf, dass es im Kir-chenbezirk nur einen spezifischen Jungen-Erwachsenen-Kreis in Dettingen gibt. Außer-dem wurde schnell deutlich, dass sich viele Mitarbeiter/innen des Ev. Jugendwerks im Alter der JE befinden. In einem zweiten Schritt nahm ich Kontakt mit ausgewählten Hauptamtlichen auf, die bereits seit einiger Zeit Erfahrungen im Bereich der Arbeit mit JE gesammelt hatten. Hier nutzte ich die Chance mir noch einmal grundsätzlich über das „Warum?“ der Arbeit mit JE klar zu werden. Darüber hinaus bekam ich Literaturempfeh-lungen und viele Ideen und Anregungen für die Konzeptionsentwicklung in Kirch-heim/Teck.

2.2.2. Wodurch wird mein Planen und Handeln bestimmt?
Bei meiner Vorstellungsrunde in den einzelnen Kirchengemeinden wurde ich von den Pfarrern und Pfarrerinnen immer wieder auf die Arbeit mit JE angesprochen. Dabei wur-de ein großes Interesse an dieser Arbeit deutlich. Ein Pfarrer berichtete, dass der Ju-gendmitarbeiterkreis nur noch organisatorische Dinge behandelt, obwohl sich diese JE mehr inhaltliches Arbeiten wünschen. Deswegen erhofft sich der Pfarrer dieser Kirchen-gemeinde Unterstützung durch das neue Konzept für die Arbeit mit JE. Damit die Lebenswelt und die Themen der JE vor Ort in der Konzeptionsentwicklung vorkommen, wollte ich mit JE aus dem Kirchenbezirk Kirchheim/Teck selbst über die Arbeit mit JE nachdenken. So stellte ich nach meiner Wahrnehmung bis zu diesem Zeit-punkt einen Gesprächskreis mit JE bzw. Mitarbeitern aus verschiedenen Orten des Kirchenbezirks zusammen. Dieser Gesprächskreis traf sich insgesamt fünfmal jeweils zwei bis zweieinhalb Stunden, um gemeinsam über die Arbeit mit JE nachzudenken. Ziel dieses Gesprächskreises war ein erster konzeptioneller Entwurf. Die Teilnehmer des Gesprächskreises kannten sich nur flüchtig. Deswegen durchlief die Gruppe m.E. nur zwei Phasen der Gruppenentwicklung, nämlich die Orientierungs- oder Vertrautheitspha-se und mündete direkt in die Abschlussphase. Durch den Gesprächskreis entwickelte sich eine „Stimme“ für die Arbeit mit JE. Mittlerweile spüre ich, aufgrund vieler Anfragen aus dem Kirchenbezirk, dass die Mitarbeiter des Gesprächskreises zu „Multiplikatoren“ und „Anwälten“ der Arbeit mit JE wurden. Parallel zum Gesprächskreis entwickelte ich einen Fragebogen, den ich an die Mitarbeiter/innen im Kirchenbezirk verteilte. Dadurch sollte die Lebenssituation der JE reflektiert werden um zielgruppenorientiertes Arbeiten zu gewährleisten.

2.2.3. Was will ich allgemein erreichen?
Ich will junge Menschen: - einladen zum Glauben an Jesus Christus, - befähigen zu christlicher Jugendarbeit in den Gemeinden im Bezirk Kirchheim, - begleiten in der Beziehung zu Gott, im persönlichen Leben, im Gruppenalltag und bei den Highlights der christlichen Jugendarbeit. Konkret auf die Arbeit mit JE zugeschnitten ergaben sich im Gesprächskreis zwei Ziel-richtungen: Nach innen (in das Ev. Jugendwerk Kirchheim/Teck hinein) und nach außen.

’’1. Nach innen’’ 

Damit der Glaube an Jesus Christus mehr bleibt als eine Teenagererinnerung, muss der Glaube mit dem Erwachsenwerden mitreifen. Das Leitthema lautet hier: „Im Glauben erwachsen werden“

’’2. Nach außen’’ 

Wir wollen JE außerhalb unserer Gemeinden und des Ev. Jugendwerks Kirchheim mit viel Liebe und Phantasie zu Jesus Christus einladen und ihnen gemeinsames Leben anbieten. Das Leitthema lautet hier: „Einladen und Heimat bieten“

Es gilt bei dem, was wir in der Arbeit mit JE tun, die Lebensthemen, Lebensfragen und Lebensbedürfnisse von JE aufzugreifen und beizutragen, dass JE zu selbstständigen Persönlichkeiten mit Profil und mit einem tragfähigen, reflektierten, persönlichen Glauben an Jesus Christus werden.

2.3. Konzeption
2.3.1. Was will ich konkret erreichen?
Grundsätzlich gibt es hier für mich wieder zwei Zielrichtungen. Auf der einen Seite sollen bestehende Mitarbeitergruppen und Hauskreise besucht werden, sowie Modellmaßnah-men miteinander vor Ort durchgeführt werden. Damit soll neben einer Auseinanderset-zung mit biblischen Themen, das Wahrnehmen der Sparte JE gefördert werden. Ande-rerseits soll zu Kirchenbezirks Projekten des ev. Jugendwerks, wie Bibelseminaren, Einkehrtagen („Stille Tage zu Ostern 2004“), Gottesdiensten und Freizeiten eingeladen wer-den. Aus diesem Bereich nenne ich einige konkrete Planungen:

1. JE sollen nicht an ihren Defiziten, sondern gerade an ihrem Potential gemessen wer-den. Außerdem soll der Bereitschaft JE, sich einzubringen und zu engagieren Rechnung getragen werden. Deswegen soll aus dem Gesprächskreis ein Arbeitskreis auf Bezirks-ebene entstehen, zu dem noch andere JE dazustoßen können, um die JE-Arbeit zu be-gleiten und mitzugestalten.

2. Durch einen Startgottesdienst am 19.10.2003, der vom Gesprächskreis gestaltet und organisiert wird, sollen die Jungen Erwachsenen, die es bereits in verschiedenen Haus-kreisen und Mitarbeiterkreisen im Bezirk gibt, gesammelt und über die Möglichkeiten und Entfaltungsräume im Ev. Jugendwerk Kirchheim/Teck informiert werden. Dazu soll neben persönlichen Kontakten mit einem Informationsbrief eingeladen und den JE Interesse an ihrer Lebenssituation signalisiert werden. Dieses Signal soll sich auch im Gottesdienst widerspiegeln.

3. Kurz nach dem Startgottesdienst gibt es dann am 09.11.2003 eine Art Brunch. So sollen die Kontakt- und Begegnungsbedürfnisse der JE aufgenommen werden. Hierbei soll eine Verknüpfung der JE-Arbeit „nach innen“ und „nach außen“ geschehen.

4. Um JE zu einem eigenständig reflektierten Glaubensfundament zu helfen, soll ein Glaubenskurs durchgeführt werden. Hier sollen die JE nicht nur als Mitarbeiter, sondern bewusst als Menschen mit eigenen persönlichen Lebens- und Glaubensfragen aufge-nommen werden. Damit das Potential der JE einbezogen wird, soll der Glaubenskurs von mir zusammen mit einem Hauskreis von JE aus Ohmden vorbereitet und gestaltet werden.

5. Die Skifreizeit in den Faschingsferien 2004 soll ein konkret „nach außen“ gerichtetes Angebot darstellen. Hier sollen die JE auf entspannte und niedrigschwellige Weise mit viel Liebe und Phantasie zum Glauben an Jesus Christus eingeladen werden.

2.3.2. Worum geht es inhaltlich?
Zur Verdeutlichung der weiteren Beschreibung des Prozesses zur Konzeption der Arbeit mit JE in Kirchheim/Teck greife ich beispielhaft den geplanten Glaubenskurs auf. Bei einem Glaubenskurs geht es darum, in Kursform die Grundlagen des Glaubens an Jesus Christus zu verdeutlichen. Der Kurs möchte dazu beitragen, dass die Teilnehmer ihr per-sönliches Verhältnis zu Jesus Christus, erstmalig oder neu bedenken. Glaubens-erneuerung oder der Beginn einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus soll ermög-licht werden. Der Kurs „Christ werden – Christ bleiben“ ist m.E. gleichzeitig für Gottgläu-bige, Transzendenzgläubige und Unentschiedene hilfreich, da klar über den Gott der Bibel und seine Offenbarung in Christus gelehrt wird. So kann das bisherige Gottes-bild in der Auseinandersetzung mit den Referaten oder im Gespräch überprüft und gegebe-nenfalls verändert werden. Ein ganz starker Akzent wird auf die Wissens-vermittlung (Referat und Gesprächsgruppe) gelegt. Durch die Wissensvermittlung soll die Sehnsucht nach Erfahrung des Gehörten geweckt werden. Deswegen passt dieser Kurs auch als bewusste Ergänzung zu den bestehenden „Projekt X“- Gottesdiensten und der Arbeit mit JE in Kirchheim/Teck. Im Folgenden zeige ich noch kurz die Themenbereiche auf:

1. Vom Land des Glaubens - und wie es sich erkunden lässt 
2. Vom Sinn unseres Lebens - und wie wir ihm auf die Spur kommen 

(Verschiedene Aspekte der ,,Sinnfrage" werden behandelt und mögliche Umgangsweisen vorgestellt, ohne eine Antwort zu geben. Eine erste Fährte zur Beantwortung wird aber gelegt.)

3. Von Glaubenshindernissen - und wie wir damit umgehen lernen 

(intellektuelle Einwände und existentielle Glaubensbarrieren; eingegangen wird im zweiten Teil auf den Um-gang mit inneren Verletzungen)

4. Von der Krankheit des Misstrauens - und wie wir davon geheilt werden können 
(Sünde als Beziehungsstörung und Gottes Entgegenkommen in Lukas 15)
5. Vom Himmel auf Erden - und wie er über uns aufgeht 

(Wer ist Jesus? Rechtfertigung und Nachfolge)

6. Von Gottes Anfang mit uns - und wie wir Christ werden 

(Wer ist ein Christ? Verhältnis Taufe und Glaube)

7. Von Gottes Treue zu uns - und wie wir Christ bleiben 

(Geist Gottes als Kraftquelle in der Gemeinde)

8. Von Gottes Menschenfreundlichkeit - und wie sie sich feiern lässt 
(Abschlussgottesdienst: Umkehrliturgie, Entlastungsbrief an Gott, Antwortgebet des Glaubens und Segnung)

2.3.3. Ausblick
Die Arbeitsformen mit JE werden daraufhin zu überprüfen sein, ob sie den Anliegen gerecht werden. Während nach innen orientierte Junge-Erwachsenen-Arbeit oft noch in den Formen der Gruppenarbeit geschieht, sind viele JE aber für diese traditionellen For-men nicht mehr zugänglich. Deswegen muss in Zukunft nach offenen Foren gesucht werden, in denen die Möglichkeit besteht, sich auszutauschen, Menschen kennenzuler-nen, die eigenen Fragen zu artikulieren, für das Leben neue Impulse zu bekommen, ge-meinsam etwas zu tun und zu erleben. Nach der Durchführung der geplanten Veranstal-tungen im Ev. Jugendwerk Kirchheim/Teck und deren Reflexion muss der in Gang ge-brachte Prozess der Entwicklung einer Arbeit mit JE in Kirchheim/Teck neu überprüft

Literaturverzeichnis

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Internetadressen 


Sonstiges 

Informationsbrochüre zur Stadt Kirchheim/Teck Ordnung des Evangelischen Jugendwerks Bezirk Kirchheim/Teck, Kirchheim 1997