Et in spiritu sanctu (Peter Rostan)
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„Argumente für den Glauben“ – Folge 16 – Peter Rostan über die Frage, was es eigentlich mit dem Heiligen Geist auf sich hat
| Et in spiritu sanctu | |
|---|---|
| Autor | Peter Rostan |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | 18plus |
| Kategorien | |
Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Pfingsten 2002 auf einem Campingplatz am Lago Maggiore. Der Zeltnachbar kommt mit der IKEA-Tasse in der Hand auf mich zu: "Sagen Sie mal, was wird da eigentlich an Pfingsten in der Kirche gefeiert? Mein kleiner Sohn will es wissen. Ich stamme aus der DDR und habe von Kirche und so keine Ahnung...". Kalt erwischt. Wie einem kleinen Jungen das Pfingstwunder erklären - noch dazu indirekt über seinen zwar interessierten, aber uninformierten Vater? Ich stottere was von „Ausgießung des Heiligen Geistes“, von „Dreieinigkeit“ und vom "Geburtstag der Kirche". Sichtlich verwirrt bedankt sich der Nachbar und stolpert gedankenverloren über seine Zeltschnur...
Kein Wunder, dass wir mit dem Heiligen Geist nicht recht klarkommen. Beim Glaubensbekenntnis folgt auf "Ich glaube an den Heiligen Geist..." ein Sammelsurium an scheinbar unverbundenen Aussagen. Wahrscheinlich haben die Kirchenväter damals in den letzten Abschnitt des Bekenntnisses alles hineingepackt, was noch untergebracht werden musste, von der Kirche bis zum Ewigen Leben. Auch im Neuen Testament wird's beim Heiligen Geist schnell unübersichtlich. Während in der Apostelgeschichte von spektakulären Ereignissen die Rede ist (z.B. in Apg 2), argumentiert Paulus in seinen Briefen trocken theologisch (z.B. in Röm 8).
Ich will versuchen, die Dinge zu sortieren.
- "Heiliger Geist" heißt: Gott ist konkret erfahrbar
Der umfassende und allmächtige Gott ist überall anwesend, keine Frage. Aber konkret und eindeutig erfahrbar ist er nicht immer. Meistens bleibt er verborgen und geheimnisvoll. Deshalb kann die Bibel davon reden, dass Gott "kommt" (Mal 3) - obwohl er doch längst überall da ist.
Fromme Israeliten scheuten sich schon immer davor, den heiligen Gott beim Namen zu nennen. Sie wählten Umschreibungen und sprachen in alten Zeiten von Gott im Wind, im Feuer, im Rauch und im Gewitter (2.Mo 13,21) - ohne sich dabei in heidnische Wettergott-Formeln zu versteigen. Dass der Begriff "Geist" Gottes bis ins Neue Testament hinein in diesen Zusammenhang gehört, zeigen die Begleiterscheinungen beim Pfingstwunder in der Apostelgeschichte (Apg 2): Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist verbunden mit lautem Brausen und mit Feuerflammen.
- "Heiliger Geist" heißt: Gott tritt von außen an uns heran, er ist unverfügbar.
Der heilige und unverfügbare Gott handelt souverän in dieser Welt, er bewirkt Veränderungen, manchmal auch regelrechte Wunder. Nachdem der biblische Ausdruck „Gottes Geist“ nichts anderes als die konkret gegebene Gegenwart Gottes ist, schließen sich die geistgewirkten Wunder der Apostelgeschichte nahtlos an die Wunder der alttestamentlichen Propheten und an die Wunder Jesu an.
Gottes Geist zeigt Wirkung an uns, weil Gott an uns wirkt. Immer wieder nennt das Neue Testament den Geist deshalb als spürbare "Kraft" Gottes (Apg 10,38). Gott überrascht uns durch sein kraftvolles Handeln. Gerade die Christen in Afrika und Asien erleben immer wieder diese überraschende Dimension des Heiligen Geistes. Wir Europäer können ohne Neid sagen: „Der Wind weht wo er will“ (Joh 3,8) und Gott um ähnliche Erfahrungen bitten.
- "Heiliger Geist" heißt: Gott bleibt verlässlich dran an uns, er wohnt in uns.
Das Alte Testament ist ein Signalgeber der kommenden Heilszeit. In Zukunft erwartet uns eine ungebrochene Gemeinschaft mit Gott. Er "wohnt" unter uns Menschen (Hes 37,27), bzw. ist als "Heiliger Geist" nicht nur punktuell und in Ausnahmesituationen, sondern dauerhaft erfahrbar (Hes 36,27).
Mit Jesus wurde diese Verheißung zur Realität (Joh 1,14). Er ist der menschgewordene Gott, der unter uns wohnt und sich auch durch ein römisches Hinrichtungsgerät nicht aus unserer Welt mehr herausdrängen lässt. Wenn er nach seiner Auferstehung sagt: "Ich bin bei euch alle Tage..." dann ist diese Zusage deckungsgleich mit seiner Ankündigung des Heiligen Geistes, der bei uns bleiben wird (Joh 14,17).
Paulus kann deshalb ohne Zögern sagen: Wer mit Jesus Christus verbunden ist, der hat (!) den Heiligen Geist. Er bleibt verlässlich dran an uns und "wohnt" in uns (1.Kor 12,3). Seine Zusage "Ich bleib’ dran an euch und lasse euch nicht sitzen!" reicht bis in Gottes Ewigkeit hinein.
- "Heiliger Geist" heißt: Gottes Gegenwart ist kein Privatbesitz
"... die Gemeinschaft der Heiligen" formulierten die Kirchenväter im Bekenntnisartikel zum Heiligen Geist. Anders formuliert: Ich baue darauf, dass Gott mir durch die Gemeinschaft mit anderen Christen begegnet. In Mitteleuropa müssen wir diese Zeile des Glaubensbekenntnisses erst wieder neu buchstabieren. Der Heilige Geist ist tatsächlich ein Freund der Gemeinschaft, Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Durch das Pfingstwunder sagt Gott zu uns: Schaut her, ihr erlebt meine Gegenwart als Gemeinde.
Gotteserfahrungen einzelner Christen sind immer dazu da, die Gemeinschaft zu stärken, sonst ist was faul (1.Kor 12,7). Einzelbegabungen (sog. Charismen) sind für den gemeinsamen Gottesdienst da, sonst entsprechen sie nicht dem Heiligen Geist.
Eines wurde mir auf dem italienischen Zeltplatz blitzartig klar: wir brauchen eine gehörige Portion Heiligen Geist, um anderen verstehbar vermitteln zu können, was es mit dem Heiligen Geist auf sich hat.
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