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Freizeiten als evangelistische Chance (Michael Götz)

aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen

„Zeit haben“ – das ist wahrlich ein Schatz in einer Gesellschaft,


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Inhaltsverzeichnis



Freizeiten als evangelistische Chance

„Zeit haben“ – das ist wahrlich ein Schatz in einer Gesellschaft, die unendlich am beschleunigen ist: Computer, Auto, ICE ... das Leben überhaupt wird schneller. Und alles was schneller wird, steht in der Gefahr auch oberflächlich zu werden. Und genau hier sind Frei- oder Rüstzeiten ein besonderes Geschenk. Hier hat man Zeit. Zeit haben

  • sich kennenzulernen
  • das Leben zu teilen
  • miteinander über das Leben zu sprechen
  • über den Glauben zu informieren
  • sich intensiv mit Jesus Christus auseinanderzusetzen
  • zum Glauben einzuladen
  • Ausdrucksformen des Glaubens einzuüben

Doch wie wird eine Freizeit zu einer evangelistischen Chance? Dazu möchte ich einige mir in der Praxis wichtig gewordenen Themen vorstellen, die helfen sollen, die eigene Praxis zu reflektieren.

1. Über die Ziele klarwerden

Warum benötigen wir überhaupt Ziele?

  • um wohlüberlegt ein Programm durchzuführen, was den Kindern, Jugendlichen und Jungen Erwachsenen wie unserem Grundauftrag als CVJM, die befreiende Botschaft von Jesus Christus weiterzusagen, gerecht wird. Der Leitsatz muss bei aller Programmplanung sein: Wir gestalten vom Ziel her unsere Freizeit.
  • um im Mitarbeiterteam „an einem Strick“ ziehen zu können
  • um anhand der Ziele die Freizeit und das Programm reflektieren zu können
  • um nicht eingefahren in Traditionen steckenzubleiben, die dem Ziel gar nicht förderlich sind

Bei der gemeinsamen Überlegung in bezug auf unsere Zielsetzung sollte berücksichtigt werden, dass verschiedene Aspekte unsere Ziele beeinflussen.

  1. eigene Vorstellungen und Bedürfnisse (sind in einem Team immer unterschiedlich!)
  2. über die Bedürfnisse, das Alter, die Fähigkeiten und Grenzen der Teilnehmer darf nicht einfach hinweggegangen werden. Auf der anderen Seite arbeiten wir als Christen nicht primär bedürfnisorientiert, sondern christus-orientiert.
  3. übergeordnete Zielerklärungen, z.B. im CVJM die Pariser Basis
  4. biblisch-theologische Gesichtspunkte, z.B. der Mensch braucht Zeiten des Ausgleiches und der Erholung; der Mensch ist angewiesen auf die Versöhnung mit Gott in Christus

Die Ziele müssen immer mit dem ganzen Team gefunden, selbstformuliert und gemeinsam vereinbart werden. Dies erspart einem unnötige Ziel-Diskussionen während der Programmplanung oder schlechtestenfalls sogar während der Freizeit. Wichtig ist dies auch bei Freizeiten, die traditionell zur gleichen Zeit und am gleichen Ort stattfinden. Durch einen automatisch entstehenden Kult-Status können die Ziele über Jahre verwischen und werden von den jüngeren Mitarbeitern nicht mitgetragen.

2. Ein evangelistisches Mitarbeiterteam

Das Mitarbeiterteam sind die „Botschafter an Christi Statt“ – nicht nur ein einzelner „Starverkündiger“ auf der Freizeit. Von daher muß die Leitung besonderes auf das Mitarbeiterteam achten und dieses motivieren. Wenig Sinn macht es, Mitarbeiter zu solchen zu ernennen, die das Ziel der Freizeit nicht unterstützen können, d.h. keine persönliche Beziehung zu Jesus haben.

2.1. Person und Funktion des Mitarbeiters

Jeder Mitarbeiter hat seine eigene Biographie, seine eigene Prägung, seine eigenen Begabungen und Grenzen – und das ist gut. Das macht ein Team reich. In diesem Zusammenhang gibt es nichts Demotivierenderes wenn ich als Mitarbeiter den Eindruck habe, dass ich nicht als Person ernstgenommen werde. Und das passiert schnell. Auf einer Freizeit muß es „funktionieren“, die Küche, die Technik, das Programm ... – und schnell ist der einzelne Mitarbeiter nur mit seiner Funktion im Focus – und mit seiner Person aus dem Blick. Wie geht es ihm? Gesundheitlich? Lebensbiographisch? In seiner Beziehung zu Jesus? Was denkt er über die Freizeit? – all das sind Fragen, die einer Freizeitleitung wichtig sein müssen – um der Schwester und dem Bruder (das sind ja die Mitarbeiter) willen.

2.2. Lebens-, Dienst- und Glaubensgemeinschaft leben

Wo haben diese unzertrennlichen Aspekte einer christlichen Gemeinschaft im Freizeitalltag ihren Platz? Wo erhalten die Mitarbeiter täglich ihr „Brot“, wenn sie andere mit dem „Brot des Lebens“ versorgen sollen? Wir haben auf Freizeiten ein Modell entwickelt, wo diese drei Aspekte christlicher Gemeinschaft ihren Platz haben.

  • Glaubensgemeinschaft – miteinander von Gott beschenkt und gesendet: Morgens bevor die Teilnehmer aufstehen, treffen wir uns zum Beten, Bibellesen und Abendmahl feiern (täglich abwechselnder Schwerpunkt).
  • Dienstgemeinschaft – füreinander und für andere da sein: Zwischen Abendessen und Abendprogramm gab es die große Teambesprechung mit Reflexion, Planung und einer kurzen Gebetszeit.
  • Lebensgemeinschaft – miteinander auf Zeit leben: Nach der Nachtruhe für die Teilnehmer kann sich wer will von den Mitarbeitern noch zusammensetzen, um miteinander die Dinge zu besprechen, die unter dem Tage zu kurz gekommen sind.

3. Ein evangelistisches Programm

Grundsatz: Es gibt kein geistliches und ungeistliches Programm. Dort wo Christen sind, ist immer „Gottesdienst“ (Röm 12) angesagt. Glaubwürdig ist die Verkündigung nur so weit, wie dies mit dem Leben übereinstimmt. Hier schauen Menschen heutzutage genau hin. Und das ist gut so. In einem Kreativ-Workshop, beim Abspülen, beim Fußballspielen, beim Umgangston, einfach überall soll erkennbar werden, wer Christus ist und dass er unser Herr ist.

3.1. Die evangelistische Spitze

Bei der Planung der Verkündigung sollte von vorneherein ein roter Faden festgelegt werden. Z.B.

  • erste Phase: Vorurteile gegenüber dem Glauben abbauen
  • zweite Phase: Jesus Christus mit dem was er für uns getan hat vorstellen
  • dritte Phase: zum Antworten auf das was Christus getan hat dringlich einladen
  • vierte Phase: wie ich als Christ leben kann

Oft fällt die evangelistische Spitze in Freizeiten aus oder die Teilnehmer werden umgekehrt bei einem übermotivierten Team jeden Tag „durchgeknetet“ und zu einer Entscheidung eingeladen. Damit dies nicht passiert, sollte man von vorneherein einen roten Faden mit evangelistischer Einladung festlegen. Bei alledem sollte das Verkündigungsteam flexibel bleiben und die Stunde erkennen, wann es dran ist evangelistisch deutlich einzuladen. Von der Verkündigung her haben wir immer stark darauf geachtet, dass klar im Mittelpunkt das stand, was Christus für uns getan hat, um dann von dort aus einzuladen.

3.2. Jesus spricht die Menschen verschieden an

Dies haben wir auf Freizeiten immer wieder erlebt. Der eine kommt über eine gedankliche Auseinandersetzung in einem Bibelgespräch, der andere in einer meditativen Abendandacht, wieder ein anderer während der Verkündigung im evangelistischen Abendprogramm zum Glauben an Jesus Christus. Deswegen nutzt unterschiedliche Formen wie die Bibellese am Morgen, ein modern-liturgisches Abendgebet, die klassische Predigt und andere Möglichkeiten. Z.B. das persönliche Zeugnis in Form eines heißen Stuhles. Ein Mitarbeiter setzt sich auf einen Stuhl und beantwortet die Fragen, die den Tag über für ihn gesammelt worden sind. Sehr authentisch, interessant und ein gute Möglichkeit, den Glauben in der direkten Verbindung mit dem alltäglichen Leben zu bezeugen.

4. Eine gute Begleitung

nach der Freizeit ist unerläßlich und wie wir oft festgestellt haben, manchmal gar nicht einfach. Denn der „garstige Graben“ zwischen Freizeitleben und Alltag kann nur durch persönliche Beziehungen und eine Einbindung in eine christliche Gemeinschaft gelingen. Dies darf nicht erst nach der Freizeit bedacht werden, sondern muß schon vor der Freizeit überlegt werden.

5. Last but not least

Bei allen evangelistischen Chancen, die es auf Freizeiten gibt, sind m.E. einige Punkte noch zu beachten:

  • Ehren geht vor bekehren. Jesus hat den reichen Jüngling weiterziehen lassen und ihm keinen Stein hinterher geschmissen. D.h. bei aller evangelistischer Leidenschaft ist darauf zu achten, den anderen zu lieben und zu achten – unabhängig von seinem Glauben oder Unglauben.
  • Der Glaube ist und bleibt ein Geschenk Gottes und ist kein von uns machbares Phänomen mittels irgendwelcher Instrumentarien und seien es Freizeiten.
  • Je jünger Menschen sind, desto leichter sind sie zu manipulieren! Und wenn Menschen im Rückblick erkennen, dass sie unfair manipuliert worden sind, bleiben sie nicht selten ganz für das Evangelium verschlossen.

Und nichts desto trotz: Freizeiten – geteiltes Leben auf Zeit – sind eine riesige evangelistische Chance! Laßt uns diese nutzen!