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Glaube – alltagstauglich (Peter Rostan)

aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen

Ernsthafter Glaube steht und fällt nicht mit seiner Alltagstauglichkeit – und dennoch wirkt er im Alltag... - Gedanken zu diesem Thema von Peter Rostan


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Inhaltsverzeichnis


Glaube – alltagstauglich?

„Was taugt dein Glaube? Was bringt er dir im Alltag? Wenn er dort nichts austrägt, kannst du ihn vergessen!“ –

So ein Blödsinn! Ein robustes, geräumiges Auto ist alltagstauglich oder auch eine „unkaputtbare“, bügelfreie Hose kann für den Alltag taugen. Beide legt man sich zu und verbindet damit bestimmte Erwartungen. Sie sind Funktionsträger des Alltags, wenn sie ihre Funktion verlieren, müssen sie repariert oder entsorgt werden.

Gott – kein Alltagsgegenstand, der funktionieren muss

Wenn aber eine Religion von ihrer „Alltagstauglichkeit“ her bewertet wird, dann ist für einen ernsthaft religiösen Menschen schnell die Schmerzgrenze erreicht. Gott ist Gott – und nicht ein Alltagsgegenstand, der funktionieren muss. Gott ist nicht deshalb für uns interessant, weil er den Alltag bereichert, sondern er ist um seiner selbst willen interessant! Der Glaube ist nicht deshalb attraktiv, weil er im Alltag funktioniert, sondern weil er auf die Wahrheit Gottes antwortet.

Ein alter Seelsorger sagte mir einmal treffend: »Warum ich Christ bin? Du erwartest vielleicht dass ich jetzt aufzähle, was der Glaube alles bringt. Natürlich gibt es positive Alltagserfahrungen. Aber ich halte nicht am Glauben fest, weil er mir Kraft gibt oder Zuversicht oder Ansporn oder auch mal die nötige Portion Gelassenheit, die ich brauche. Ich glaube nicht einmal, weil ich mir ausrechne, damit in den Himmel zu kommen. Nein, der eigentliche Grund meines Glaubens ist die Realität Gottes. Der Glaube ist die angemessene Antwort auf Gottes Anspruch an mich. Ob mir das im Alltag passt oder womöglich den Alltag ziemlich durcheinanderbringt, das ist zweitrangig. Gott spricht mich an und ich habe zu antworten.«

Ernsthafter Glaube steht und fällt nicht mit seiner Alltagstauglichkeit. Erst wenn das geklärt ist, können wir darüber nachdenken, wie sich der Glaube im Alltag auswirkt. Denn eines ist klar: der Glaube zeigt tatsächlich Wirkung - gerade im Alltag!

Ich greife exemplarisch drei Stichworte auf:

Alltags-Gelassenheit

Hektik macht krank. Das Wort „Stress“ steht nicht für die Menge an Arbeit, die man geleistet hat, sondern für die Menge an Arbeit, die man sich vorgenommen, aber nicht geschafft hat. „Bloß nichts verpassen, bloß nicht zu spät kommen!“ tönt es laut von überall. Der alte Archimedes sprach einmal von einem Punkt, mit dem er die Welt aus den Angeln heben könnte. Er hatte gerade die Hebelgesetze entdeckt.

Als Christen haben wir solch einen Punkt außerhalb des Geschehens. Wir können mit der Dimension Gottes rechnen. Wir sind schon jetzt „Bürger des Himmels“ (Phil 3,20). Wer eine ganze Ewigkeit vor sich hat, braucht sich nicht so unter Druck setzen zu lassen. Unsere kurzatmige Gesellschaft braucht solche Menschen, die wieder Geduld haben.

Alltags-Wachsamkeit

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das wissen vor allem diejenigen, die den Menschen nicht nur als Leistungsträger, sondern auch als geliebtes Geschöpf Gottes wahrnehmen. Christen sind sensibel für ihre Mitmenschen. Am Arbeitsplatz, aber auch abends in der Kneipe braucht es oft genug Menschen mit Zivilcourage. Mit Gott im Team kann man auch mal mutig sein. Wir müssen nicht auf religiöse Augenblicke warten, um im Alltag zeigen zu können, von wem man geleitet wird. Wer als Christ über die Liebe Gottes staunt, der wird hellwach, wenn sich Lieblosigkeit breit macht. Unser Problem ist nicht, den Willen Gottes zu erkennen, sondern danach zu handeln.

Alltags-Ehrlichkeit

Der normale Alltagsrhythmus lebt von Verdrängungsmechanismen. Viele Ehepartner, Freunde und Berufskollegen weichen einander aus, wenn es um tiefere Dimensionen des Lebens geht. Sie „funktionieren“ so besser. Als Christen rechnen wir damit, dass Gott auch die Abgründe unseres Lebens kennt. Wir können ehrlicher mit Schuld umgehen, brauchen ihr nicht ständig auszuweichen. Selbst wenn der Alltag an Grenzen stößt und die Verdrängung nicht mehr funktioniert (z.B. bei Todesfällen) bleiben wir in Gottes Hand. In einer Welt, die nur noch Gesundheit und Erfolg kennt, können wir als Christen uns auch mal trauen, richtig traurig zu sein.