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Gott - ein Patriarch (Peter Rostan)

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Mit eleganter Hüftbewegung tanzt er leichtfertig auf einem gelben Blumenmeer. Seine Hände sind schlank und grazil, das Gesicht jung und mit ausdrucksstarken Augen. Die Figur des mächtigen Gottes Shiva in hinduistischen Tempeln hat etwas sinnlich-betörendes an sich ...


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Inhaltsverzeichnis


Mit eleganter Hüftbewegung tanzt er leichtfertig auf einem gelben Blumenmeer. Seine Hände sind schlank und grazil, das Gesicht jung und mit ausdrucksstarken Augen. Die Figur des mächtigen Gottes Shiva in hinduistischen Tempeln hat etwas sinnlich-betörendes an sich. Shiva gilt als männliche Gottheit - und doch ähnelt er eher einer Frau. Von einem patriarchalen Gott kann im Hinduismus keine Rede sein.

Anders im Christentum. Auch wenn das Bild des greisen Himmelskönigs mit langem Bart längst Vergangenheit ist, bleibt doch das Image an ihm hängen: Dieser Gott der Juden und der Christen ist ein Patriarch! Mit Donner und Sturm regiert er von oben nach unten, will angebetet und verehrt werden, kämpft mit martialischen Wundern und himmlischen Heerscharen und lässt die armen Menschenkinder seinen Zorn spüren. Diesem patriarchalen Gott entspricht eine patriarchale Welt der Bibel und eine von alten, mächtigen Männern geprägte Kirchengeschichte. Im Alten Testament hatten altehrwürdige Stammesfürsten wie Abraham, Jakob und Mose das Sagen. Später waren es dann fettleibige Päpste und Bischöfe und - im Kleinen - die Hausherren, die ihr persönliches Patriachat mit dem Gott der Bibel unterfütterten.

Kein Wunder, dass sich in jüngster Zeit viele Frauen (und Männer !) mit Grauen vom Christentum abgewandt haben, weil sie ein partnerschaftliches Leben wollen. Kein Wunder, dass immer wieder auch innerhalb der Kirche der Ruf laut wird, endlich Schluss zu machen mit allem Altherrschaftlichen im Gottesbild. Schon die Anrede Gottes als „Vater“ habe etwas Patriarchales an sich…

Ich kann beides gut verstehen. Je tiefer man sich in die Geschichte der oft so machtverliebten Kirche vertieft, desto mehr kommt einem tatsächlich das Grauen! Und je mehr man das religiös verbrämte Macho-Gehabe mancher „frommen“ Väter kennenlernt, desto schwerer fällt es einem, Gott als „Vater“ anzusprechen. Die sog. feministische Theologe hat zu Recht den Finger in eine offene Wunde der Kirche gelegt. Dass sie dabei mit ihrer Kritik oft übers Ziel hinausschoss und wilde Spekulationen von „Göttinnen“- ohne biblischen Hintergrund zusammendichtete, steht auf einem anderen Blatt.

Der Gott der Bibel ist anders als die „Mutter Erde“ der Indianer. Und er ist auch anders als der feminine Shiva der Hindus. Aber er ist auch anders als der altherrschaftliche Patriarch der Kirchengeschichte.

Gott lässt sich nicht in unsere Klischees einsperren

Der Gott der Bibel ist bildlos. „Du sollst dir kein Bildnis machen“ steht prägnant in den Geboten. Das heißt für die Männer: „Du sollst nicht deine persönlichen Machtvorstellungen in den Himmel projizieren! Du sollst aus Gott nicht einen Patriarchen machen, der dein selbstgewähltes Patriarchat festigt“. Das heißt aber genauso für Frauen: „Du sollst nicht meinen, dass alles göttlich ist, bloß weil es weiblich ist!“.

Auch wenn die Bibel in ihrer Rede von Gott oft die damalige patriarchale Gesellschaft widerspiegelt, kommen doch immer wieder Wahrheiten durch, die dem einseitigen Bild eines himmlischen Patriarchen widersprechen: Die Psalmen vergleichen Gott mit Licht, mit einer Quelle oder mit einer Zuflucht (z.B. Psalm 27); Elia flieht an den Berg Sinai und staunt nicht schlecht, als sich Gott ihm dort nicht mit Blitz und Donner, sondern in einem sanften Windhauch offenbart (1.Kö 19); Jesus vergleicht Gott einmal mit einer Glucke, die die Menschen wie Küken unter sich sammeln und sie so beschützen will (Lk 19); usw.. Die Bibel überschlägt sich geradezu in vielfältigen Vergleichen und Bildern - und beachtet auf diese Weise das Bilderverbot. Ja, es klingt paradox: Indem viele verschiedene Bilder verwendet werden, bleibt Gott bildlos. Es kommt nicht zu einem erstarrten, einseitigen Gottesbild.

Nicht Patriarch, sondern Vater

Ausgerechnet dort widerspricht die Bibel dem Bild des machtbesessenen Patriarchen am heftigsten, wo sie von Gott als „Vater“ redet! Jesus erzählt im Gleichnis von einem heruntergekommenen, verlorenen Sohn. Als der wieder nach Hause findet trifft er auf einen Vater, der das Bild eines orientalischen Patriarchen auf den Kopf stellt! Anstatt würdevoll den Sohn von oben herab zu mustern, rennt er ihm entgegen und schließt ihn in die Arme (Lk 15). Jesus gebraucht den Ausdruck „himmlischer Vater“ immer dort, wo er zum Ausdruck bringen will, dass Gott uns versorgt und beschenkt (z.B. Mt 6,26). Paulus schreibt voll Begeisterung, wir dürfen zu Gott dem Vater sogar „Abba“ (= „Papa“) sagen (Röm 8).

Gott - ein maskulinarer „Patriarch“? Hilfe, nein! Gott - wie ein guter „Vater“? Gott sei Dank, ja!