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Gute Argumente gegen dumme Vorurteile (André Spindler)

aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen

Vorurteile gegenüber Aussiedlern und wie man sie wiederlegt.


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Inhaltsverzeichnis


Gesammelte Vorurteile gegen Aussiedler

„Aussiedler sind faul und dumm!“

Eine Schulbildung und eine berufsqualifizierende Ausbildung können die meisten Aussiedler vorweisen. Dass sie mit unserem Bildungssystem Schwierigkeiten bekommen, hat einen anderen Grund: es sind die überwiegend nur sehr spärlich vorhandenen Deutschkenntnisse. So können von den Aussiedlern, die jedes Jahr zu uns nach Deutschland kommen, immer weniger Deutsch. Da sie meist sehr schnell in unser Bildungssystem bzw. unsere Arbeitswelt integriert werden, müssen sie faktisch versuchen unsere Sprache zu verstehen, ehe sie diese überhaupt in einem der staatlichen Sprachkurse erlernen können. Das ist schwierig und nicht sehr ermutigend. Und so scheitern sie eher an der Unfähigkeit, sich sprachlich zu artikulieren, als an ihrer fachlichen Kompetenz.
Richtig ist, daß viele Ausbildungs- und Studiengänge, die sie absolvierten, nicht auf dem Niveau der EU-Staaten sind. Es ist ihnen teilweise überhaupt nicht möglich, die uns gewohnten Anforderungen zu erfüllen, da sie gar nicht die Möglichkeit hatten, sich diese anzueignen. Kommen sie nicht in den (seltenen) Genuss einer Weiterbildung, so haben sie mit ihrer meist nicht anerkannten Ausbildung Schwierigkeiten, einen angemessenen Beruf ausüben zu können. Oft müssen sie sich mit Aushilfsjobs und ähnlichem begnügen, um ihre Existenz sichern zu können.
Wenn von faulen Aussiedlern redet, hat meist immer noch das Bild vom fleißigen und ordentlichen Deutschen vor Augen – aber stimmt dieses? Hier ist zu beachten, dass die Menschen aus den GUS-Staaten aus einer ganz anderen Arbeitskultur kommen. Und wer bisher nur für den Staat gearbeitet hat, muss sich erst umstellen auf die hiesigen Gewohnheiten.

„Aussiedler sind kriminell!“

Was verstehen wir eigentlich unter „kriminell“? Und was verstehen die jugendliche Spätaussiedler darunter, die zum Beispiel aus Russland kommen? Wo Meinungsverschiedenheiten oft anders als bei uns ausgetragen werden. Wo bei Familienfehden blutige Rache geübt wird. Sie sind aus ihrer Heimat ganz andere Sitten gewöhnt als unsere. Wenn sie dann dafür in den Knast wandern, ist das meist erst recht der Einsteig in die kriminelle Szene - viele kommen dort schwerlich wieder heraus. Damit sind gewalttätige Aussiedler, die es natürlich auch gibt, nicht in Schutz genommen. Aber es ist wichtig, dass wir ihnen unsere gesellschaftlichen Regeln verständlich machen - und sie diese nicht nur spüren lassen. Richtig ist, dass sich gerade jugendliche Aussiedler oft zu „Banden“ zusammenschließen. Der Anlass dazu ist aber meist kein krimineller, sondern eher ein sozialer. Weil sie Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, haben sie demzufolge auch Probleme mit der Kontaktaufnahme zu einheimischen Deutschen. Dazu kommen die kulturellen Gräben und eine tiefgehende Verunsicherung. Deshalb schließen sie sich mit Gleichgesinnten zusammen. Schließlich hat man ja auch die gleichen Probleme. Die Abgrenzung, die daraus resultiert, kann nur mit sehr viel Beziehungs- und Kontaktarbeit angegangen werden.

„Aussiedler bekommen das Geld hinterhergeschmissen!“

Zwei Gegenfragen: Mit welchen Gütern kommen Aussiedler bei uns in Deutschland an? Und welche haben sie in ihrer Heimat zurückgelassen? Genau für diesen materiellen Verlust sind die speziellen Hilfen für Aussiedler gedacht, wie zum Beispiel die Eingliederungshilfe und andere besondere Leistungen. Ansonsten sind sie mit den einheimischen Deutschen gleichgestellt. Wie sie bekommen sie Rente, Arbeitslosenhilfe und gegebenenfalls auch Sozialhilfe. Problematisch daran ist nur, dass sie ja vorher nichts in das deutsche Sozialsystem einzahlen konnten und jetzt hier Kosten verursachen. Aber wie sollte es anders auch gehen? Und schwarze Schafe, die sich auf Kosten der Gesellschaft auf die faule Haut legen, gibt es unter den einheimischen Deutschen ebenso wie unter den Aussiedlern.