Heiligenschein oder Scheinheilige (Peter Rostan)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
GUTE GRÜNDE FÜR DEN GLAUBEN – TEIL X
| Heiligenschein oder Scheinheilige? | |
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| Autor | Peter Rostan |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | 18plus |
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Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis |
„Sie werden’s mir nicht übel nehmen. Aber wenn ich bei uns in die Kirche schaue, dann sitzt dort eine eingeschworene Gemeinschaft biederer Menschen, die sich daran hochziehen, nicht so schlimm zu sein wie die da draußen...“.
Das saß! Der Typ, mit dem ich als Anhalter unterwegs war, hatte einen Treffer gelandet. Mir wurde erst mal der Hals trocken, weil mir nur wenig zur Verteidigung einfiel. Das war nicht nur beißender Spott, sondern berechtigter Ärger!
Und dann setzte der Mann am Steuer nach, wie scheinheilig dieses System der Gutmenschen doch sei. Moralinsauer werde bei den Frommen darauf geachtet, dass das eigene Bild von der ach so bösen Welt nicht ins Wanken kommt. Und sollte mal einer ein geordnetes Leben führen, obwohl er sich nicht zur Kirche hält, dann würden sie da drin einander zuraunen: „der betrügt sicher heimlich seine Frau oder das Finanzamt...“.
Jawohl, der Mann hat Recht, das gibt’s unter uns Christen. Scheinheiligkeit durch moralische Schlammschlachten. Der gemeinsame Gegner eint das Rudel.
Dieser Effekt stellt sich allerdings auch in der anderen Richtung ein. Manche Zeitgenossen machen’s sich in Sachen Kirche und Christsein sehr einfach. „Die sind auch nicht besser als die anderen!“, heißt es dann, garniert mit einer unflätigen Äußerung des Pfarrers beim Dorffest, einem Streit mit der Diakonie als Arbeitgeber oder einem 20 Jahre zurückliegenden Finanzskandal aus dem Vatikan. Im Blick auf die Fehltritte von Christen hat die Öffentlichkeit ein Elefantengedächtnis!
Im Neuen Testament entdecke ich zwei Spuren, die weiterführen:
Nehmt den Mund nicht zu voll!
Jesus reagiert ungewöhnlich scharf auf fromme Scheinheiligkeit. Er zieht einen saftigen Vergleich: Die theatralisch frommen Pharisäer und Schriftgelehrten seien wie weiß getünchte Gräber (Mt 23,27). Außen blitzblank und makellos, innen drin stinkt es faulig und verwest. Wenn man an der glatten Fassade kratzt, kommen dunkle Flecken zum Vorschein.
Wache Bibelleser zucken an dieser Stelle im Matthäusevangelium ertappt zusammen. Sie spüren, dass Jesus mit seinem krassen Bild auch in unsere Zeit hinein spricht. Wehe dem, der meint, das ginge nur die anderen etwas an...!
Wir tun gut daran, unsere Lebenszusammenhänge einmal daraufhin durchzugehen, was bei uns faul ist. Wo gehen wir mit weißer Tünche an unser Lebenshaus heran, anstatt es von Jesus Christus gründlich renovieren zu lassen? Wo ist uns der Putz wichtiger als der modrige Keller? Jesus als Baumeister beginnt mit dem Fundament und macht mit den Kleinigkeiten des Alltags weiter. Es kann passieren, dass das Haus am Ende unscheinbarer, aber solider wird.
Womöglich beginnt die Lebensrenovierung damit, in Sachen Moral erst mal den Mund nicht mehr ganz so voll zu nehmen...
Nehmt den Druck raus!
Die andere Spur im Neuen Testament gehört zur ersten wie die beiden Spuren einer Loipe. Jesus entlarvt die frommen Schaumschläger und sagt gleichzeitig: „Ihr habt’s doch nicht nötig! Ihr braucht keine Show bieten, sondern könnt ehrlich sein – vor euch selbst und vor anderen“.
Es ist gibt immer noch viel zu viele Christen, die machen aus der Frohen Botschaft einen frommen Krampf. Als ob die Wahrheit Jesu davon abhinge, wie toll die Menschen sind, die an dieser Wahrheit festhalten. Nein, die Kernaussage des Neuen Testaments liegt ja gerade darin, dass Gott nicht die A-Mannschaft braucht, sondern mit der B- und C-Mannschaft antreten will!
Paulus gibt einmal ein Wort Jesu weiter, das er offensichtlich speziell auf seine Situation hin zugesprochen bekommen hat: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ (2.Kor 12,9). Will sagen: Du brauchst das Gerangel um ein perfektes Image nicht mitzumachen, musst nicht durch falsche Vorgaben bei anderen punkten. Gott will mit dir dort anfangen, wo du jetzt stehst.
Falsche Heilige sind Leute, die mehr vorgeben als sie sind. Echte Heilige sind Leute, die sich mit dem, was sie sind, von Jesus gebrauchen und gestalten lassen.
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