Ikonen - Fenster zum Reich Gottes (Katja Marei Schmidt)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
GEDANKEN UND MATERIALIEN FÜR EINEN ABEND ÜBER IKONEN
| Ikonen - Fenster zum Reich Gottes | |
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| Autor | Katja Marei Schmidt |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | 18plus |
| Kategorie | |
Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Ich bin in Taizé (Frankreich), zu Besuch bei den interkontinentalen Jugendtreffen, zu denen die Brüder der Communauté jährlich einladen. Nach dem Abendgebet herrscht in der Kirche eine kaum beschreibbare Stimmung: warmes, gedämpftes Licht, verhaltene Gesänge, einige Jugendliche setzen sich zu einer der mit Kerzen reich beleuchteten und Buchsbaumzweigen frisch geschmückten Ikonen, singen und beten, teilweise bis in die Nacht hinein.
Betrachte ich eine Ikone längere Zeit, bekomme ich Stück für Stück den Eindruck, dass nicht ich der Betrachter bin, sondern sie, die Ikone, mich anschaut. Das ist weder Mystik noch Zufall, es ist künstlerische Technik und gewollt. Ikonen sind Bilder, die mich ansprechen, mit dem Ziel, mich zu Gott zu führen.
THEMEN DER IKONEN
Es gibt erzählende Ikonen. Sie zeigen oft eine ganze biblische Geschichte in einem Bild. Dazu wurden sie erschaffen: Um den des Lesens unkundigen Christen die Heilsgeschichte zu verkünden. Es ist spannend, den Ablauf der Geschichte im Bild zu finden, anhand der Anordnung der Figuren, ihrer Körperhaltung, Mimik und Gestik, der ihnen zugeordneten Farben und Symbole.
Doch die bekanntere und für uns typischere Ikone zeigt eine Einzeldarstellung Christi, der Gottesmutter mit dem Jesuskind oder von Heiligen. Die Christusikone ist das zentrale Motiv der Ikonenmalerei.
GESCHICHTE DER IKONEN
Das Wort Ikone stammt aus dem Griechischen (eikon) und bedeutet ganz einfach „Bild“. Normalerweise bezeichnet es ein religiöses Gemälde im griechisch-byzantinischen oder russischen Stil, das sich auf einer Holztafel befindet.
Die Ikonenmalerei beginnt im 4. Jahrhundert und geht von Konstantinopel (oströmisches Reich, heute Istanbul) aus. Sie hat ihren Ursprung in der spätantiken Portraitkunst. Neben ersten gemalten Ikonen, mit heißem Wachs auf Holztafeln, entstanden in dieser Zeit großer geistiger Energie in vielen Kirchen auch Mosaik-Ikonen.
Der Ikonoklasmus (Bildersturm, Verbot figurativer Darstellungen, 726-843) unterbrach die Entwicklung der Ikonenkunst. Einer der bedeutendsten Theologen dieser Zeit, Johannes von Damaskus, verteidigte die Ikonenmalerei. Er verglich ihre sakrale Bildersprache mit der erzählenden Funktion der Evangelien. Nach der Aufhebung des Verbots wurden die Ikonen integrierter Bestandteil der Liturgie. Vom 9. bis 12. Jahrhundert erfuhr die Ikonenkunst einen zweiten Aufschwung. Mit dem dritten, im 15. Jahrhundert, kam es zum Höhepunkt der Ikonenmalerei. Zu dieser Zeit gelangte der byzantinische Einfluss auch bis nach Russland und so fand die Ikone ihren Platz im täglichen Leben orthodoxer Frömmigkeit und in den Kirchen. Dass Ikonen bei uns heute überwiegend in katholischen Kirchen und Gegenden zu finden sind und weniger in protestantischem Umfeld, geht auf die Reformation zurück.
AUF DEM WEG ZUM GEHEIMNIS DES GLAUBENS
Aber das heißt nicht, dass wir uns nicht neu von ihrer Ausstrahlung faszinieren lassen dürfen. Ikonen sind keine reine Bebilderung oder Schmuck. In ihrer Schönheit und Tiefe sind sie wie Fenster zu Gott. Nicht umsonst war in den Regelwerken der Malschulen, nach denen sich die Ikonenmalerei zu richten hatte, auch festgehalten, dass der Künstler vor und während der Arbeit beten solle. Sie legen es nahe, sich selbst verklären zu lassen und mit ihnen dem Geheimnis des Glaubens auf die Spur zu kommen.
Man kann sie also als Gebetsunterstützung ansehen. Sie sind eine Hilfe sich zu konzentrieren und Gott zuzuwenden, allein oder in der Gruppe, als fester Bestandteil der Gebetsecke oder Thema eines Abends.
Eine Ikone kann auch einen neuen, ungewöhnlichen Zugang zu einem biblischen Thema eröffnen: Nicht lesen und verstehen, sondern betrachten und entdecken steht dann im Vordergrund.
IKONEN SELBER MALEN
Vielleicht kann die Beschäftigung mit der Ikonenmalerei uns helfen, die für uns manchmal ungewohnte Innigkeit im Glauben orthodoxer Christen nachzuvollziehen.
Am eindrücklichsten wird es jedoch sein, selbst zum Pinsel zu greifen. Wenn ich das Wesen und die Aussagekraft einer Ikone entdecke, indem ich sie Schritt für Schritt in Form und Farbe selbst herstelle, der Geometrie und Perspektive nachgehe, Größenverhältnisse und Farben übertrage und einsetze und nicht zuletzt die Wirkung der oft reichlich verwendeten Goldfarbe beim Malen erfahre. So kann ich erkennen, warum ich beim Betrachten einer Ikone den Eindruck gewinne, dass nicht ich der Betrachter bin, sonder sie, die Ikone, mich anschaut.
MATERIALIEN UND LITERATUR
Wer Interesse an Ikonen gefunden hat und für sich persönlich, fürs Team oder den Gruppenabend mehr über Ikonen erfahren möchte, der kann hier weiterlesen:
- Aus dem Inneren leben, Gebete aus Taizé, Freré Roger, Christophorus-Verlag.
Ein Geschenkheft mit Gebeten zu den Ikonen Taizés. - www.made-by-taize.de
Taizé-Shop, hier sind sowohl o.g. Heft, als auch Ikonen von der Postkarte bis zur Holztafel erhältlich. - Ikonen erzählen die Bibel, Verlag katholisches Bibelwerk
In diesem Bildband werden Ikonen zu bestimmten biblischen Texten erklärt und gedeutet. - Wie male ich Ikonen richtig, Guillem Ramos-Poqui, Edition Michael Fischer
Dieses Buch bietet neben der schrittweisen Erklärung, wie man eine Ikone selbst malen kann, viel interessantes Material zur Auseinandersetzung und Analyse von Ikonen: von der Perspektive über das byzantinische Alphabet für die Inschriften bis zur Vorlage für das Zeremoniell der Ikonen-Segnung, ebenfalls mit Bibeltexten zu den Abbildungen.
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