Persönliche Werkzeuge


Mitarbeiterschulung Hauskreis (Michael Götz, 2002)

aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen

Eine Mitarbeiterschulung zum Thema Hauskreis.


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Inhaltsverzeichnis


ABLAUF

Zeit
30 Einführung

Frage: Erinnert euch an die Hauskreise, in denen ihr schon wart und was euch dabei positiv einfällt?

Papier und Stifte
30 Grundlegendes

Drei Hauskreistexte lesen und überlegen: Warum Hauskreis? Wie kann man den Hauskreis gestalten?Ergebnisse auf einer Folie zusammenschreiben

Folie, Overhead, Folienstifte
45 Gestaltung

Impuls anhand von den Folien – bei Charismen können alle mithelfen

Folien: Hk-Gestaltung; Hk – Charismen, HK-Dienstplan, Gesprächsleiter
20 Konzeptionelle Einbettung

Impuls anhand von den Folien

Folien: 2x Konzeptionelle Einbettung
30 Fragen
20 Sonstiges


SONSTIGES

Anregungen:

  1. Öffentliche Ausschreibung im Monatsheft – Anbindung an CVJM deutlich machen
  2. Leiter theologisch ausbilden
  3. Hauskreisfreizeit
  4. CVJM-Mitarbeiter in Hauskreisen integrieren

Was macht einen Hauskreis lebendig? Verschiedenen Komponenten: Lernen, Leben, Dienst, Glauben

Lernen: Miteinander etwas lesen, sich anhören,


GRUNDLEGENDE ASPEKTE

Synagogen:

Gegründet in der babylonischen Gefangenschaft, nachdem der Tempel zerstört war. Zusammenkünfte, wo die Schriften gelesen, gesungen und ausgelegt wurden. Diskussionen über Auslegungen gehörten in die Synagoge.

In der Not und Abwesenheit vom Tempel wurde erkannt, daß es wichtig ist, Gottes Wort zu verinnerlichen, Gemeinschaft untereinander zu haben.

Jesus:

Neben den großen Massen zog Jesus als Rabbi mit einer kleinen Schar von Schülern (Jüngern) in Lern-, Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft durch das Land.

Martin Luther – Einleitung in die deutsche Messe:

Luther will neben der lateinischen und deutschen Messe eine „dritte Weise des Gottesdienstes“: „Sie müßte nicht so öffentlich auf dem Platz geschehen unter allerlei Volk, sondern diejenigen, die mit ernst Christen sein wollen und das Evangelium mit Hand und Mund bekennen, müßten sich mit Namen einzeichnen und irgendwo in einem Haus sich alleine versammeln zum Gebet, zum Lesen, zum taufen, das Sakrament (Taufe und Abendmahl) empfangen und anderes christliches Werk üben. In dieser Ordnung, wo man sich kennt, könnte man die, die sich nicht christlich hielten, strafen, bessern, ausstoßen oder in den Bann tun nach der Gemeindezuchtregel Mt 18. Hier könnte man auch ein gemeinsames Almosen den Christen auferlegen, welches man willentlich gibt und austeilt unter die Armen nach dem Beispiel des Paulus 2.Kor.9. Hier . Hier könnte man auch auf eine kurze feine Weise die Taufe und das Sakrament halten und alles auf das Wort und Gebet und die Liebe ausrichten. Hier müßte man einen guten kurzen Katechismus über den Glauben haben, die zehn Gebote und das Vater unser. Es wäre schnell geschehen, wenn man die Leute und Personen hätte, die mit ernst Christen zu sein begehrten, entsprechende Ordnungen und Methoden wären bald gemacht.“

Philip Jakob Spener: Collegium pietatis (Collegium der Frömmigkeit)

Ehrenamtliche Akademiker in Frankfurt bekunden 1670 den Wunsch einer Gründung einer Liebesgesellschaft in Speners Gemeinde nach dem Vorbild einer der Zeit üblichen Zoietät (kleine Gesellschaft zu einem Thema). Spener holt das Einverständnis seiner Amtskollegen und lädt ein zum Collegium pietatis. Johann Jakob Schätz (Jurist) und Johannes Anton Tieffenbach (Theologiestudent) sind die ehrenamtlichen Hauptinitiatoren.

Das Reformprogramm Speners in der „Pia desideria (fromme Wünsche)“:

  1. Wort Gottes soll reichlich unter uns gebracht werden, d.h. Einrichtung des Collegium pietatis; Sammlung und Förderung der Frommen
  2. Allgemeines Priestertum aller Gläubigen muß durchgesetzt werden
  3. Praxis soll Vorrang vor der Theorie haben (Leben vor Lehre)
  4. Einschränkung der konfessionellen Polemik
  5. Reform des Theologiestudiums (seelsorgerliche Begleitung und Lesen von erbaulicher Literatur)
  6. Neue Predigtweise (weg von der barocken Kunstpredigt hin zur erbaulichen Predigt)


Organisatorischer Rahmen:

  • Zeit: Mittwoch und Sonntag
  • Man liest anfangs Erbauungsbücher und Dogmatiken, später die Bibel.
  • Ablauf: a) Gebet/Vorlesen/Zusammenfassen (Spener); b) Gespräch über das Vorgelesene und andere Themen (alle); c) Gebet (Spener)
  • Ort: Speners Studierzimmer
  • Leitung: Spener (gegen die Vorwürfe des Seperatismus im Pfarrhaus mit dem Pfarrer)
  • Gesprächsregeln: nur was der Erbauung dient; über nicht anwesende Personen darf nicht gesprochen werden
  • Geschlossene Gesellschaft; später offen
  • Entwicklung: 1670 – 20 Akademiker; 1675 – ca.50 auch Nicht-Akademiker; 1682 – Hunderte von Besuchern in der Barfüßerkirche, große Bibelstunde, wo fast ausschließlich nur Theologen zu Wort kommen

Michael Herbst: Missionarischer Gemeindeaufbau in der Volkskirche (S.350ff)

(teilweise verändert auf die Situation eines CVJM)

Die kleine geistliche Zelle erscheint in Ergänzung zum evangelistisch ausgelegten Gottesdienst als entscheidender Baustein des missionarischen Gemeindeaufbaus. Es gehört zu den Leitungsaufgaben in einer solchen geistlichen Zelle, interessierte Gemeindeglieder für eine solche Zelle zu gewinnen und zu sammeln. Die Treffen der kleinen geistlichen Zellen in der Gemeinde sollten in nicht zu großen Abständen (vielleicht zunächst zweiwöchentlich) in einem gut gestalteten äußeren Rahmen stattfinden. Die Gestaltung des Raumes, aber auch der Ablauf der Treffen selbst muß dokumentieren, daß es hier nicht um eine Ausschußsitzung oder eine Schulungsmaßnahmen geht. Im normalen geistlichen Leben einer Gemeinde werden auch „Charismen der Gestaltung“ oder „Charismen der Gesprächsführung“ sichtbar, die es freizusetzen, zu pflegen und einzubringen gilt.

Die Treffen der kleinen geistlichen Zelle geschehen in einem Schonraum. Es ist nicht legitim, die Menschen, die sich haben einladen lassen, nun sogleich für diverse Arbeiten in der Gemeinde einzuplanen. Wer hier hinkommt, darf wissen, daß er nichts leisten muß.

Angesichts der wachsenden beruflichen und familiären Anforderungen könnte es auch geboten sein, die Dauer der geistlichen Zelle zunächst zu befristen, etwas auf ein Jahr. Damit wird vielen Mensch der Zugang erleichtert. Sie wissen, daß sie nicht unbeschränkt gebunden werden. Nach einem Jahr muß neu überlegt werden: Wer dann gehen will, kann es in aller Freiheit tun. Schließlich ist die geistliche Prägung der Zelle eine Hauptaufgabe der geistlichen Leitung. Es geht darum, daß die geistliche Zelle intentional zum Lern- und Lebensraum des Glaubens werden kann. Hier können die zentralen (biblischen) Texte und Themen des Glaubens in einer das persönliche und gemeinschaftliche Leben betreffenden Weise angesprochen und durchgesprochen werden. Hier können Erfahrungen des Zweifels, der Enttäuschung, der Verletzung und des Unglaubens angesprochen (und „weggesprochen“) werden. Hier können aber auch Schritte in den Glauben hinein und dann erste Schritte im Glauben gewagt werden. Anfänge dürfen ausgesprochen werden; davon lebt gerade anfänglicher Glaube. Die Begegnung mit lebendigen Christuszeugen in der geistlichen Zelle läßt immer wieder nach dem Bezeugten zurückfragen. Miteinander gestaltete Zeit, also in bescheidener Weise ein Stück gemeinsamen Lebens, läßt den Glauben mitten im Leben erscheinen. Verweist schon die soziale Dimension der geistlichen Zelle auf die Ganzheitlichkeit ihres Lebens, so ist einer intellektualistischen Verengung vollends durch die gemeinsame Einübung einer elementaren Spiritualität zu wehren. Der Glaube kann nicht nur im Kopf verhandelt werden. So geht es auch in der kleinen geistlichen Zelle um die Einübung von Glaubensvollzügen, d.h. um das Hineinwachsen in eine schlichte, aber tragende Glaubenspraxis. Deren Grundelemente sind im Anschluß an Apg 2,42 das Hören auf das biblische Wort, das Gebet, die Gemeinschaft und das Herrenmahl.