Persönliche Werkzeuge


Musiktrends in der Arbeit mit jungen Erwachsenen (Tobi Fritsche, 2002)

aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen

Ein Konzept für ein Seminar über Musiktrends in der Arbeit mit jungen Erwachsenen



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Inhaltsverzeichnis


Seminar: Musiktrends in der Arbeit mit Jungen Erwachsenen

Gehalten von Tobias Fritsche am 19.10.02 vor dem JE-Ausschuß des CVJM-GV

Einleitung

a) Vorstellung

1. Umfrage – Einstieg Jeder interviewt seinen Nachbarn zu den einzelnen Frage  danach: deckt sich das mit den Testergebnissen

b) Themaklärung

Schwieriges Thema!

  • JE? 18/19 oder 28/29  extrem große Alterspanne (Umbrien)

Was heißt „Trend“, was für Möglichkeiten, gibt es einen Trend zu ermitteln? 1. umgangssprachlich: das ist jetzt im Trend, das ist in Mode, das trägt man jetzt so...

  • man hat im Gefühl was, gerade im Trend liegt

2. Begrifflich zunächst: Richtung, Entwicklungstendenz. Statistisch: Grundrichtung einer langfristigen Entwicklung statistischer Merkmale. Die Berechnung des Trends erfolgt durch die Zerlegung statistischer Zeitreihen (etwa Angaben über Veränderungen von Preisniveau, Produktion, Verbrauch u. a. im Zeitablauf)

  • Um einen Trend statistisch berechnen zu können, braucht man verlässliches Zahlenmaterial.

Woher Quellenmaterial: aus Bauch raus? Oder Möglichst viele JE zu einem Thema befragen. Normalerweise greift man immer erst mal zur Shell-Studie...

1. Trends (besser Tendenzen) bei Jungen Erwachsenen im Umgang mit Musik


1. Umfrage Auswertung

Datenbasis: Wo: Bekanntenkreis Umfang: 50 Leute befragt, davon 30 im einzelnen ausgewertet und weitere 20 mitgeschätzt Geschlecht: Weiblich: 48% Männlich 52% Wie alt bist du? 25-26 Christlicher Background: Gemeinde? 62% Hauskreis? 79% Beruf: Etwas mehr Akademiker

  • Frage: Welche Rolle spielt Musik in deinem gegenwärtigen Leben?

Antwort: Groß bis Sehr groß Interpretation: wie bei Teenies...


  • Frage: Wieviel Musik hörst du im Schnitt am Tag/ bzw in der Woche?

Antwort: 3 Stunden/Tag Interpretation: Auch Radio mit dabei – Hintergrundmusik, läuft zum Teil 8 Stunden

  • Frage: Welche Musikstil hörst du zur Zeit am liebsten und warum?

Antwort: Alles, tendentiell nicht so ausgefallene Musik Interpretation: Pop Rock wurde am meisten genannt

  • Frage: Hat sich dein Geschmack in den letzten Jahren verändert und warum?

Antwort: Rund 60%, Gründe: Ja, softer, weil gesetzter? // Ändert sich dauernd // von Klassik zu Techno (Nachholbedarf) // Immer schon vielseitig // Wie die Mode // weg vom Durchschnitt // weniger Indie // Ruhiger geworden // kein Metall mehr // Ruhiger geworden, nicht mehr chart orientiert // unwesentlich // eigener Geschmack statt Masse // härter geworden // härter geworden, größere Bandbreite // suche gezielt Werte // man wird älter // breiteres Spektrum, reifer // breiteres Spektrum, reifer // sehr, nur noch christlich

Interpretation: Gründe sind unterschiedlich, aber 2 Antworten springen doch ins Auge, weil sie sich auch wiederholen: a) Softer/ Ruhiger „man wird älter“ b) Weg vom Durchschnitt, eigener Geschmack statt Massengeschmack, Höre, was mir gefällt, nicht mehr chartorientiert

Frage 4: Welche Musik-CD hörst du zur Zeit am liebsten und warum? Antwort: Sehr unterschiedlich Interpretation: tendentiell „reifere Musik“, Doppelungen bei Grönemeyer und Sting

Frage: Was ist dein Lieblings-Künstler/deine Lieblingskünstlerin? Antwort: Sehr unterschiedlich, ähnlich wie bei Lieblings-CD, Interpretation: Auffallend ca. 45 % geben keinen an  Idole sind nicht mehr so gefragt, es kommt nicht so sehr auf den Künstler, mehr auf die Musik an

Frage: Verfolgst du Entwicklungen in den Charts/ in der "säkularen Musikszene"? Wenn ja, wie informierst du dich? Antwort: JA: 38% Nebenbei/Selten: 48% Nein:14% Interpretation: Infos selten gezielt, v.a. über Radio mitkriegen (auch bei JA)

Frage: Verfolgst du Entwicklungen in der sog. "Christlichen Musikszene", wenn ja, wie informierst du dich? Antwort: Ja: 30% Mitkriegen: 24% Nein: 45% Interpretation: Von den Nein-Stimmen haben 70% eine Gemeinde und einen 57 % Hauskreis  So wie es früher mal war, ist es lang nicht mehr. Die CM kann für Christen aus völlig untersch. Gründen total uninteressant sein.

Frage: Hörst du mehr "christliche Musik" oder "säkulare Musik"? In welchem Verhältnis ungefähr (Prozent)? Antwort: SM: 73% CM: 27% Interpretation: bestätigt obiges Ergebnis

Frage: Hörst du Radio? Wenn ja, wieviel am Tag/in der Woche? Antwort: Sehr unterschiedlich: meist etwa 1-2h (v.a. im Auto) oder auf der Arbeit 8h im Hintergrund (wenige) Interpretation: spielt keine tragende Rolle, eher als Stimmung für den Hintergrund

  • Frage: Schaust du Musikfernsehen? Wie lange im Schnitt am Tag/ in der Woche?

Antwort: eher selten Interpretation: nicht weiter ausschlaggebend

Frage: Was hältst du von der sog. "christlichen Musikszene"? Antwort: Wichtig, Unterscheidung bedauerlich oder abzulehnen, Qualität wird immer besser Interpretation: Interessant: Viele mit der Meinung „Finde ich gut, ist wichtig“ hören relativ wenig CM (Schätzung max. 30%)

Frage: Was hältst du von der sog. "säkularen Musikszene"? Antwort: Sehr differenzierte Wahrnehmung, gibt gutes und schlechtes, Kritik an Schrott Interpretation:

Frage: Was war das letzte Konzert, das du besucht hast? Antwort: ...leider nicht repräsentativ, weil die meisten auf dem BAFF-konzert waren oder auf dem Christival ;-) Interpretation:

Frage: Wir oft im Jahr bist du auf Konzerten? Was für Konzerte sind das? Antwort: Tendenz: 3-5, sehr untersch. Erstaunlich häufig: Klassikkonzerte Interpretation:

Frage: Machst du selber Musik? Wenn ja, welches Instrument spielst du? Singst Du? Antwort: die meisten sind musikalisch, machen auch selbst Musik, meist nicht gezielt, eher im Hauskreis, Gemeinde usw. Interpretation:

2. Umfrage – Zusammenfassung Musik spielt eine große Rolle. Jedoch hat sich das Konsumverhalten etwas geändert. Man hört mehr die Musik, die einem liegt, orientiert sich nicht mehr stark an den Charts. Ist Christ, hört aber nicht unbedingt genuin christliche Musik. Der Musikgeschmack hat sich z.T. mit dem Alter geändert. Musik gehört v.a. zur Lebenswelt als Hintergrund-Musik, z.T. auch ausgesprochenes Qualitätsbewusstsein (man kann „begründen“, warum man etwas hört). Idole spielen kaum noch eine Rolle.

3. Entwicklungspsychologische Aspekte: Erikson: Theorie der Persönlichkeitsentwicklung (2Min) Erikson (1973) baut auf Freud auf. Er unterschied 8 Hauptstadien während des Lebenslaufs, die er alle als spezifische Konflikte oder Krisen charakterisierte. Wenn es nicht gelingt, die stadientypischen Krisen zu bewältigen, endet das in bleibenden Persönlichkeitsstörungen.

(5) Identität vs. Rollendiffusion (Adoleszenz). Sehr bekannt geworden ist Eriksons Beschreibung der Krise der Adoleszenz, in der es um die Findung der Identität geht. Der Jugendliche hat Facetten eines Selbstkonzeptes aufzubauen in Hinblick auf sein Geschlecht, seine Familienherkunft, auf eine Religion, moralische Werte, Bildungs- und Berufsaspirationen und entsprechende eigene Fähigkeiten, politische Haltungen usw. Er muß diese verschiedenen Facetten in ein konsistentes persönliches Selbstbild integrieren, das seine persönliche Identität ausmacht. Ver- sagt der jugendliche Mensch bei dieser Aufgabe, resultiert das in einer Rollendiffusion, die durch Unverträglichkeiten und Unausgewogenheiten zwischen Haltungen und Werten, zwischen Aspirationen und Möglichkeiten, durch Instabilität von Zielen, gelegentlich zu ideologischer Einseitigkeit, häufiger zu oberflächlichen und unstabilen Engagements und nicht selten zu abweichendem Verhalten wie Drogengebrauch und Delinquenz führt.

(6) Intimität vs. Isolation (Beginn des Erwachsenenalters). Intimität mit anderen setzt eine gut integrierte Identität voraus. Intimität meint nicht nur sexuelle Beziehungen, sondern den Aufbau von Solidarität in einer Wir-Gruppe und gleichzeitig die Abwehr von Einflüssen und Menschen, die für das eigene Wesen gefährlich sein können. Intime Beziehungen stabilisieren die Identität. Isolation ist die Folge des Mißlingens. Kritisch ist anzumerken, daß Erikson keine klare Abgrenzung der Intimität dieser Lebensphase zu den Freundschaftsbeziehungen in der späten Kindheit und der Adoleszenz leistet.

(7) Generativität vs. Stagnation (mittleres Erwachsenenalter). Generativität ist das Entwicklungsziel dieser Phase: die Förderung der Entwicklung der nächsten Generation, der eigenen Kinder und/oder anderer junger Menschen; darüber hinaus berufliches, soziales, politisches Engagement. Fehlt dieses, sind Stagnation, Selbstabsorbtion und/oder Langeweile zu erwarten.


Kurz kann gesagt werden: Der Identitätsfindungsprozess kommt zum Ende bzw. ist z.T. abgeschlossen. Identifationspersonen z.B. in der Musik sind zum Teil nicht mehr so wichtig. Auch die Emotionalität ist schon mehr entwickelt „man weiß genauer, was man will“. Man grenz sich entschlossener von Dingen ab, die einem nicht gut oder sinnvoll erscheinen.

5. Gedanken zu einer Schlussfolgerung für die Arbeit von JE mit Musik (5 Min) Aktiv:

  • Ten Sing ausgewachsen und was dann?
  • Gospelarbeit (C.I.A.)
  • Aber: Gospelboom ist schon wieder etwas abgeflaut  neue Konzepte nötig
  • Weitere Fragen an Michael Götz

Passiv

  • Welche Dinge spielen eine Rolle: Beziehungen, Qualitätsbewusstsein, natürlich auch Spassfaktor, Ambiente
  • Beispiel: Cafe Tropica
  • Weitere Möglichkeiten JazzCafe, Beachparty, ...
  • Beispiel Umbrien: Integration von Musik über Lebensgefühl


2. Trends (besser Tendenzen) in der Musikszene

1. Religiöse Stoffe in der säkularen Musikszene

Aktuelles Hörbeispiel: Marlon +Freund Vers: Frage an Gott aber Refrain = Gebet! In Amerika ist es jetzt schon seit vielen Jahren ganz normal, sich freimütig öffentliche zur eigenen Religiosität zu bekennen und religiöse Fragestellungen und religiöse Symbole in der Popmusik aufzugreifen. Beispiele hierfür gibt es reichlich: Lenny Kravitz, Puff Daddy oder sogar die Backstreet Boys. Dazu kommen neuere Gruppen, die sich ausgesprochen deutlich zum christlichen Glauben bekennen, wie z.B. die Nu-Metal Formation P.O.D.

In Deutschland war das vor ein paar Jahren noch ziemlich undenkbar, dass ganz offensichtlich religiöse Stoffe die Musik beherrschen und trotzdem Charttauglich, also kommerziell verwertbar sind.

Doch vor ein paar Jahren hat sich da etwas verändert. Mit Nana ging es los und fand diese „Bewegung“ Xavier Naidoo vorläufig ihren spektakulären Höhepunkt. Andere Gruppen, die hier zu nennen wären sind Glashaus, Söhne Mannheims, auch Nena und andere.

Man kann also sagen: In Deutschland hat in den letzten Jahren ein gewisser Wandel in Sachen Religiosität stattgefunden. Das Bekenntnis zur Religiosität wird nicht mehr tabuisiert, niemand muss mehr Umsatzeinbußen befürchten, wenn er ein religiöses Thema aufgreift.

Es wäre vielleicht zuviel gesagt, dass ein derartiges Bekenntnis in der bundesdeutschen Musikszene sogar im Trend liegt. Aber zumindest punktuell kann man das schon beobachten.

Allerdings muss man das ganze auch ein wenig relativieren: Inzwischen streitet man in christlichen Kreisen z.T. öffentlich darum, wie christentumskompatibel diese religiöse Welle der Populärkultur ist.

Nur als Beispiel: Xavier Naidoo und seine prophetische Entdeckung Mannheims als neues Jerusalem, Selbststilisierung als wiederkehrender Messias usw: Da bleibt schon die Frage: geht es hier mehr um Provokation und damit um eine gelungene Medieninszenierung oder haben wir hier endlich mal einen authentischen Musiker, der authentisch von seinem zugegebenermaßen sehr eigenen Glauben erzählt.

Diese Frage jetzt zu diskutieren, würde zu weit führen und es gibt inzwischen auch eine Masse Artikeln, die sich mit dem Thema „Religion in der Popkultur“ befassen.

2. Genuin „christliche Bands“ in der säkularen Musikszene (10 Min)

[a) Eigene Erfahrungen JLTA-Award

  • Aufgreifen der Frage: ist die Szene wirklich offen für religiöse Inhalte
  • Erfahrungsbericht: JLTA
  • Vorspiel der 3 songs
  • Nachgespräch mit A&R von Mercury  mehr offensive Christlichkeit  Polarisieren mobilisiert das eigene Lager
  • Nachgespräch mit den anderen Bands/ Fotografen: vorsichtige Annäherung wirkt überzeugend, schlechte wie gute Erfahrung mit Gott/Glaube  Biographie oft entscheidend
  • keine pauschale Aussage über Offenheit möglich]

b) Gott in die Charts: Christen in der Säkularen Musikszene als missionarische Chance Neuere Entwicklung: Versuch, christliche Bands in die Charts zu platzieren. Ziel: evangelistisch, weiteres Ziel: Versuch einer Überbrückung der Gräben von christlicher Musik und „säkularer Musik“ Bisher 3 Musikgruppen (Normal Generation? Beatbetrieb, Sarah Brendel) weitere folgen

  • Hörbeispiel Beatbetrieb oder Sarah

Wer ist dafür verantwortlich: Tobias Glawion, ern-media (Hamburg Kiel) Ern: Evangelischer Rundfunkdienst Nord, beliefern Hörfunk und Fernsehen

  • Belieferung von Sat1 und RTL (Verplichtung der Sender, können aber Material ablehnen)

ERN-Media vermittelt Künstler an Plattenfirmen(Polydor, Zyx) und beauftragen gleichzeitig die Agentur mit der Promotion

Neue Konzepte: „Gewalt an Schulen“, Jahr der Bibel,... Grüße von Tobias Glawion

  • Nicht absehbar, ob das ein Trend wird oder nur kurzfristige Marktbewegungen sind (Marktnische).

Dauer: 1,5 h