Online mit Gott (Peter Rostan)
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„ARGUMENTE FÜR DEN GLAUBEN“ – FOLGE 14. DIESMAL SETZT SICH PETER ROSTAN MIT DEN ANFRAGEN AN DAS GEBET AUSEINANDER UND BEGRÜNDET, WARUM ER IMMER NOCH BETET.
| Online mit Gott? | |
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| Autor | Peter Rostan |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | 18plus |
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Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis |
„5015 – das ist die Telefonnummer Gottes“. Ich sehe noch die Tante aus der Kinderstunde vor mir, die Psalm 50,15 auf einem großen Telefonhörer aus Pappe geschrieben hat: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich retten…“. Die Nr. 5015 wurde für mich zum Urerlebnis. Gebete sollten also sein wie Telefongespräche – auch wenn ich mich damals schon fragte, was wohl die richtige Vorwahl ist.
Adam unterhält sich mit Gott im Garten (1.Mo 3), Abraham verhandelt mit Gott um Gomorrha (1.Mo 18), Mose kniet am brennenden Dornbusch und erlebt ein direktes Zwiegespräch mit dem Allmächtigen (2.Mo 3). In jüngeren Teilen der Bibel wird’s schon komplizierter: Hanna ruft in den Himmel und erhält eine irdische Antwort durch den Priester Eli (1.Sa 2), der fromme König Hiskia betet und bekommt anschließend Besuch durch den Propheten Jesaja (2.Kö 19). Doch auch diese indirekten Formen des Gespräches mit Gott sind in der Bibel die große Ausnahme. Normalerweise erhört Gott biblische Gebete nicht durch Antworten, sondern durch Ereignisse - zum Beispiel durch die Rettung aus dem babylonischen Exil.
Das Bild vom Telefonhörer als Grundmodell des Gebetes hat offensichtliche Schwächen. Auch die Vorstellung einer himmlischen Zentrale, wo kleine Lämpchen anzeigen, wann wieder einer Online ist, irritiert mehr als dass es weiterhilft.
Was passiert mit uns, wenn wir beten? Und was geschieht mit Gott?
Das Gebet ist wie eine Kompassnadel, die uns auf Gott ausrichtet
Mensch als Kompaßnadel im Kompass, der neu „gepolt“ wird
In der Bibel wird ständig gebetet. Auffällig ist dabei, dass das Wort „beten“ hauptsächlich in der Form „an-beten“ vorkommt. Anbetung ist nichts anderes als die alltägliche Klarstellung, wer die Nummer Eins ist. Das geschieht in Psalmen und ehrfurchtsvollen Gesten, mehr aber noch in den vielen kleinen Entscheidungen, die das Leben mit sich bringt. Wer den Richtigen „anbetet“, unterscheidet Wesentliches von Unwesentlichem. Er verzettelt sich nicht im Alltagsdschungel, sondern behält noch den Blick für das Ganze. Das Gebet macht uns sensibel für Gottes Wirklichkeit. Insofern ist es durchaus agemessen, vom Gebet Orientierung in schwierigen Entscheidungen zu erwarten.
Das Gebet hält unsere Beziehung zu Gott warm
Gott weiß, was in uns vorgeht, schon bevor wir das im Gebet formulieren. Er weiß auch, was wir vom Leben erwarten, welche Wünsche wir haben. Wir tragen mit unserem Gebet ihm keine Informationen zu, die er nicht längst schon hätte. Und noch mehr: „Gott gibt das tägliche Brot auch ohne unsere Bitte, (sogar) allen bösen Menschen“, wie Martin Luther in seiner Auslegung des Vaterunsers schreibt. Wir brauchen das Gebet, weil wir damit unsere Sehnsüchte, Wünsche und Bitten in den richtigen Zusammenhang bringen. Wir sagen sie Gott, weil wir darauf bauen, dass unser Leben vom ihm getragen wird und er es ist, der uns versorgt. Dazu nochmals Luther: „Wir bitten in diesem Gebet, dass er’s uns erkennen lasse und wir mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot“. Wer Gott um etwas bittet, bringt seine irdischen Wünsche mit dem Himmel in Kontakt. Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, o Gott, von dir…! Der Alltag atmet plötzlich Weite.
Das Gebet setzt Gott in Bewegung
Können wir mit Gott verhandeln? Können wir davon ausgehen, dass lange feurige Gebete mehr bewirken als kurze nüchterne? Sicher nicht. Gott ist kein Geschäftspartner.
Und doch bin ich davon überzeugt, dass Gott mit unseren Gebeten aktiv umgeht, er auf sie reagiert und manches auch spürbar verändert. Deshalb will ich nicht aufhören für den Frieden im Nahen Osten zu beten oder für die Straßenkinder in deutschen Großstädten oder für die krebskranke Frau in der Nachbarschaft! Wer betet, nimmt Gott in die Pflicht.
Sicher – es gibt auch Situationen, wo uns jedes weitere Bitten im Halse stecken bleiben will, wo nur das Klagegebet übrig bleibt, das zu Gott schreit: „Wo bist du?“ Oder wie in Psalm 6,4: „Ach du, Herr, wie lange noch! Wende dich, Herr, und errette mich.“ Auch fürs Klagen gibt uns die Bibel Worte.
Alle Gebetserhörungen, die wir erleben, haben vorläufigen Charakter. Sie sind letztlich Wegweiser auf die neue Welt Gottes hin. Kein Wunder, dass die betende Gemeinde des Neuen Testamentes ihre Gottesdienste mit dem Ruf abschloss: „Maranatha! Komm, Herr – und richte dein Reich endlich sichtbar auf!“.
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