Persönliche Werkzeuge


Reflektion Freizeiten (Wolfgang Ilg)

aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen

Nach der Freizeit ist vor der Freizeit...


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...Warum die Auswertung von Freizeiten sinnvoll ist, und wie man sie durchführen kann, beschreibt Wolfgang Ilg, der selbst eine Evaluationsmethode für Freizeiten entwickelt hat.

Freizeit-Mitarbeiterteam-Besprechung in XY Freitagabend, halbelf, Sitzungsraum: Die Köpfe rauchen bei den anwesenden Freizeitmitarbeitern. „Bin mal gespannt, ob wir nicht zu wenig Action bieten für die Jugendlichen“. „Glaubst du eigentlich, dass bei den Teilnehmern was hängenbleibt von unseren Gottesdiensten?“ - Fragen schwirren durch die Luft. Was die Teilnehmer wohl am Ende von der Freizeit halten werden? Freizeitvorbereitung in einem x-beliebigen Dorf in Deutschland: Durchschnittlich 18 Stunden investieren Freizeit-Teams in die Vorüberlegungen für eine Sommerfreizeit.

Ein Vierteljahr nach der Freizeit, gleiche Zeit, gleicher Ort: Wehmütig schaut sich das Team Fotos von der Freizeit an. Anekdoten werden aufgewärmt und aufgetischt. Kurz vor Schluss ergreift die Freizeitleiterin das Wort: „Sollen wir eigentlich nicht noch kurz eine Auswertungsrunde machen?“ - „Na gut“ brummelt es aus der Runde. Eine Viertelstunde lang klopft man sich verbal auf die Schulter und kommt zu unglaublich differenzierten Aussagen wie: „Die Freizeit war schon irgendwie echt gut“. Die Fragen, mit denen man sich noch in der Vorbereitung die Hirne zermartert hatte und die sich bei der Vorbereitung der nächsten Freizeit wieder stellen werden - sie scheinen wie weggeblasen zu sein. Auch diese Szene ist leider in x Orten üblich: Eine intensive Freizeitauswertung - warum sollte man sich denn den Stress machen?

Rückmeldungen von Freizeitteilnehmern abfragen und ernstnehmen Man muss die Äpfel pflücken, wenn sie reif sind - und nicht erst, wenn man Hunger hat. Anders gesagt: Die Chance, Erfahrungen der Teilnehmer direkt nach dem Freizeitende festzuhalten, darf man sich nicht entgehen lassen. Wer Freizeiten regelmäßig durchführt, sollte die Auswertung am Ende der Freizeit fest einplanen - und bei der nächsten Freizeit auf diese Rückmeldungen zurückgreifen. Gemäß der alten Fußballer-Weisheit „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“.

Bereits entwickelte Fragebögen nutzen Viele Freizeitleiter erkennen inzwischen die Chance und Notwendigkeit einer guten Evaluation (Aus- und Bewertung) ihrer Freizeit. Das Projekt Freizeitenevaluation im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (ejw), bei dem über 1300 Teilnehmer und 300 Mitarbeiter befragt wurden, hat gezeigt, dass die Bereitschaft zum Ausfüllen eines Fragebogens am Ende einer Freizeit durchweg vorhanden ist. Ein Ergebnis des Projekts: Für die kirchliche Jugendarbeit wurde ein Fragebogen entwickelt, der bei Freizeiten für Jugendliche und Junge Erwachsene universell eingesetzt und auf die eigene Freizeit zugeschnitten werden kann. Ein mitgeliefertes Computerprogramm erleichtert die Auswertung und den Vergleich mit anderen Freizeiten. Ohne großen zeitlichen und finanziellen Aufwand kommt man so zu einer detaillierten Rückmeldung aus Teilnehmer-Perspektive - und kann im nächsten Jahr manche Fragen in der Vorbereitung gezielt beantworten (Bezugsquelle: Siehe Seite 31, Buch „Freizeiten auswerten - Perspektiven gewinnen“).

Auch bei kürzeren Freizeiten, bei denen man nicht auf einen Fragebogen zurückgreifen will, sollte das Feedback der Teilnehmer in irgendeiner Form erfragt werden. Egal, wie die Auswertung konkret aussieht: Es muss für die Teilnehmer erkennbar werden, dass man sich im Leitungsteam für ihre Meinung interessiert. Freizeit-Teilnehmer wollen ernst genommen werden. Evaluation ist dafür ein wichtiger Baustein. Am besten also Fragebögen ins Reisegepäck - denn die nächste Freizeit kommt bestimmt!

Wolfgang Ilg, Vikar und Psychologe, Dagersheim