Sie warteten auf den Messias... - und es kam Jesus (Peter Rostan)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
ARGUMENTE FÜR DEN GLAUBEN – FOLGE 18.
JESUS – DER „GANZ ANDERE GOTT“ – DER GOTT, DER MENSCH WIRD
| Sie warteten auf den Messias... - und es kam Jesus | |
|---|---|
| Autor | Peter Rostan |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | 18plus |
| Kategorien | |
Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis |
Sie warteten auf den Messias... - und es kam Jesus
Atemberaubend schön sind sie, wenn sie mit weiten Schwingen die Aufwinde an der schroffen Felskante Gamlas nutzen. Die Adler erinnern bis heute an die antike Prägung der Ruinenstadt. Ihr stolzer Flug zeugt von Souveränität und Freiheitsliebe – beides Kennzeichen der früheren Bewohner jener Rebellenhochburg Gamla, oberhalb des Nordwestufers des See Genezareth. Jahrzehntelang wurde von hier aus der Partisanenkrieg gegen die römische Besatzungsmacht befehligt. Kurz bevor er zum großen „Jüdischen Krieg“ eskalierte, leitete Johannes von Gischala die militärischen Operationen, ein mutiger und zugleich zutiefst religiöser Anführer. Seine Anhänger, die „Zeloten“, nannten ihn ehrfurchtsvoll den „Messias“. Er war nicht der erste, der so genannt wurde, und er sollte auch nicht der letzte bleiben. Wo auch immer ein begnadeter Volksheld auftrat, der von jüdischer Freiheit und Souveränität sprach und das „Gott-ist-mit-uns“ predigte, kam die Frage auf, ob er wohl der Messias sei – schließlich wartete das geschundene jüdische Volk sehnsuchtsvoll auf jenen geheimnisvollen Nachfolger des großen Königs David, der die Feinde Israels besiegen und Gottes Recht wieder herstellen sollte.
Der Messias – ein Guerillakönig?
Etwa 10 Kilometer Luftlinie entfernt von Gamla liegt jener andere Hügel am Nordufer des Sees, der als „Berg der Seligpreisungen“ in die Geschichte eingegangen ist. Von ihm aus ist Gamla, die Hauptstadt der Zeloten, gut zu sehen, genauso wie die römische Stadt Tiberias am Westufer. Eine Generation vor Johannes von Gischala sagte hier ein ganz anderer „Messias“ (griechisch „Christus“): „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel …“ (Mt 5,44). Was Jesus von Nazareth dort verkündigte, war eine handfeste Aussage in einem konkreten politischen Konflikt und etwas anderes als unser heutiges oft so seicht daherkommendes „Give Peace a Chance“-Gerede!
Die Gegensätze könnten kaum größer sein. Auf Gamla der Heerführer-Messias und auf dem Berg der Seligpreisungen der Messias, der Versöhnung bringt. Kein Wunder, dass Jesus immer wieder den Leuten anwies, ihn nicht öffentlich „Messias“ zu nennen (vgl. Mk 8,30). Er wollte nicht in eine Linie gestellt werden mit den anderen Messiassen der Vergangenheit, weil er der gängigen Erwartung nicht entsprach. Ja, auch er predigte von der Freiheit und der Nähe Gottes, auch er sprach von der kommenden Gottesherrschaft im jüdischen Volk. Aber er suchte nicht die Abgrenzung, sondern die Versöhnung. Wenn er eine neue Klarheit und Reinheit vor Gott predigte, dann nicht wie die religiösen Eiferer, die alles Unreine zerstören wollten, so wie man ein Geschwür aus einem kranken Körper herausschneidet. Er verkündigte eine neue Reinheit, die durch Vergebung entsteht, wirkte exemplarisch Heilung, predigte Gottes neue Welt als eine Zukunft, die allen Menschen offen steht, wenn sie sich vertrauensvoll darauf einlassen.
Jesus war und ist der angekündigte König Israels, davon bin ich überzeugt. Auch wenn es unter den Juden viele gab und gibt, die Gottes Heil nicht in Abgrenzung von anderen Völkern, sondern in einem gemeinsamen Weg sehen, entsprach er einfach nicht dem Bild, das die Juden von dem einen, echten Messias hatten.
Der Messias – nur Mensch oder auch Gott?
In der hebräischen Bibel finden sich markante Zitate, die wir auf den Messias/auf Christus beziehen, aber von jüdischen Lesern ganz anders interpretiert werden. Ein Beispiel: „In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott“ (Jes 40,3). Das heißt für einen Juden: Wenn der HERR (= Jahwe) sein Reich aufrichtet, wird er selbst zwar nicht sichtbar, wohl aber unmittelbar spürbar und erfahrbar sein. Er wird wie die aufgehende Sonne aus dem Osten (sprich: aus der Wüste) kommen und dann in Jerusalem unter seinem Volk „wohnen“, wie es bildhaft in verschiedenen anderen Prophezeiungen heißt.
Für einen Juden bezieht sich diese gewaltige Ankündigung auf Gott, aber nicht auf den Messias. Der Messias ist nach jüdischer Vorstellung ein prachtvoller, von Gott gesandter König, aber eben nur ein Mensch!
Das Neue Testament sieht das anders. Schon Johannes der Täufer versteht sich als Wegbereiter Jahwes, wenn er in der Wüste auf den kommenden Jesus verweist. Später sagt der Zweifler Thomas zum Auferstandenen: „mein Herr (=Jahwe!) und mein Gott!“ (Joh 20,28). Wer Jesus als menschgewordenen Gott verkündigt, geht damit weit über die Messiaserwartungen Israels hinaus.
Der Messias – ein Todeskandidat?
Dass sich der Messias von den üblichen Königen unterscheiden wird, war vielen klar. Nicht ein machtgeiler Despot wurde erwartet, sondern ein gerechter Helfer, ein Armenkönig, der ohne großen Hofstaat auskommt. Der Prophet Sacharja hatte sogar verkündet, der Messiaskönig werde nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel in seine Hauptstadt einziehen (Sach 9). Er hat den üblichen Glemmer nicht nötig, um seine Souveränität zu beweisen. Kein Wunder, dass Jesus begeistert gefeiert wurde. Die Menschen erinnerten sich an das alten Prophetenwort.
Nur, die öffentliche Meinung kippte nach seiner Verhaftung schnell um. Als klar war, dass er sich nicht wehrte, schien der Irrtum erwiesen: dieser Todgeweihte konnte nicht der Messias sein!
Im Sterben und Auferstehen Jesu liegt das eigentliche Geheimnis des Neuen Testamentes. Mit den alten Messiasverheißungen lässt sich dieses Geheimnis nicht entschlüsseln. Wohl aber mit dem alten Jerusalemer Tempelkult, dem Großen Versöhnungstag, als ein Sündenbock stellvertretend für das Volk sterben musste (3.Mo.16). Und dann gibt es auch jenes Prophetenwort, das zwar nicht von einem Messias, aber von einem „Knecht Gottes“ spricht: „Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen… auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes 53).
Der Messias – ein Schalom-Stifter
„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“, so die Vision des Propheten Jesaja (Jes 9). Sie ist eingetroffen – und zugleich steht sie noch aus. Noch ist die Herrschaft des Messias nicht umfassend sichtbar, noch hat der Friede die Weltpolitik nicht erreicht. Christen und Juden sind sich darin einig, dass beide die Ankunft des Messias erwarten. Die Sehnsucht ist bei beiden groß – wir Christen erwarten allerdings die Ankunft des Gekommenen, die Wiederkunft Jesu. Dann werden „alle Zungen bekennen, dass Jesus der Herr ist, zur Ehre Gottes“ (Phil 2,11).
Identität/Glaube
Arbeitswelt
Wohnsituation
Finanzen
Partnerschaft
Soziales Netz
Herkunftsfamilie
Freizeit
Politik