Sinnmaschiene im Missionseinsatz (Hermann Bach)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
Ein Bild ist stärker als 1000 Worte: Wie eine CVJM-Initiative des Landesverbands Bayern das Bildermedium Kino für missionarische Junge-Erwachsenen-Arbeit nutzt.
| Sinnmaschine im Missionseinsatz | |
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| Autor | Hermann Bach |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | [[Kategorie:Publikation:|]] |
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Inhaltsverzeichnis |
„Sinnmaschine“ im Missionseinsatz
===Hamburg, im Mai 2003: === Die Stadt ist im „Matrix“-Fieber. Ein Bus ist rundum mit dem schwarz-grünen Erken-nungsmuster des Films beklebt. Von meinem Büro aus sehe ich das große Kino am Gänsemarkt, an dem ein mehrere Etagen hohes „Matrix“-Transparent hängt. Wenn so viel geworben wird, ist der Publikumserfolg beim zweiten „Matrix“-Film ebenso programmiert wie beim ersten Teil. Darin war es um Nero als den „Aus-erwählten“ gegangen, der die Menschheit retten soll. In einer Szene wird er durch die Liebe von Trinity, einer jungen Frau mit engem Latexanzug und Sonnenbrille, vom Tode auferweckt.
Dass dies alles in eine düster-kalte Science-Fiction-Klamotte verpackt war, konnte uns schon damals nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Matrix“ voller christlicher Symbole und Namen, voller uralter Lebensthemen, Mystik und Ethik war. Das Beispiel macht klar, was heute für alle modernen Bildermedien gilt: Im Kino finden wir die neuen Ikonen. Tausende strömen in die Kinos, diese Kathedralen der Unterhaltung. Hier ist die bunt schillernde „Sinnmaschine“ aus der die Jugend so viele (Lebens-)Ideen bezieht.
Die bewegten und bewegenden Szenen auf Großbildleinwand sind auch deshalb so anziehend, weil die junge Generation hier die Werte, Grundbedürfnisse und Lebensthemen verarbeitet sieht, die sie selbst be-schäftigt. Kinobilder, und die Fragen, die sie aufwerfen, ziehen magisch an:
- Was würde passieren, wenn ich ausbreche? Die Neugier auf andere Lebensformen.
- Wie mache ich mehr aus meinem Leben? Die Bereitschaft, die eigenen Ansprüche zugunsten eines spürbar besseren Wertes zurückzufahren.
- Wer ist der Held, wer ist die Heldin meines Lebens? Interesse für Figuren, die Belastungen aushalten und Probleme anpacken.
Missionarisch denkende Christen bedauern heute den Besucherschwund in den Kirchen – und bewundern vielleicht den Ansturm der äußerst interessanten Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen auf die Kinos. Für sie stellt sich die Frage: Sollen wir als Missionare das Kino verwerfen, dagegen „anpredigen“? Oder daran an-knüpfen und dadurch die weltliche Kultur „taufen“, sie zum Werkzeug christlicher Arbeit machen? Eine Initiative des CVJM Landesverbands Bayern hat die Frage beantwortet – und dadurch ein nachah-menswertes Projekt entwickelt...
===Nürnberg, im Mai 2003: === Das Leitungsteam von „CUT – Kino einmal anders“ trifft sich. Die Kino-Initiative für junge Erwachsene, die aus einem 18plus-Seminar mit 15 Teilnehmern hervorgegangen ist, bietet neben Filmen auch Livemusik und Bistroatmosphäre. Sechs Städte, jeweils vier Filme an zwei Wochenenden – das ist das ehrgeizige Programm, das sich die kreativen Christen um den Sekretär Michael Götz vom CVJM Landesverband Bayern vorgenommen haben. Zwei bis drei Koordinatoren pro Veranstaltungsort leiten ein Team von jeweils etwa 15 Mitarbeitern. Das macht zusammen gut 120 Leute.
Bis zum eigentlichen Start im November gibt es noch viel Arbeit: Nach den ersten Planungen, der Konzept-erstellung und einem Probeprojekt mit mehr als 80 Mitarbeitern im Mai, bei dem „Matrix I“ gezeigt wurde, laufen bis zum nächsten Leitertreffen im September die Vorbereitungen. Filme werden ausgesucht samt den passenden „Locations“ für die Vorführungen. „Solino“ soll zum Beispiel in einem italienischen Restaurant gezeigt werden, „Der Herr der Ringe II“ möglichst in einer Burg, „Das fünfte Element“ in einer Lagerhalle oder einer stillgelegten Disco.
Ein Schwerpunkt liegt auf der „Exegese“ der Filme: Welche Lebensthemen werden darin angesprochen und wie lässt sich aus christlicher Perspektive daran anknüpfen? „Wir wollen mit kirchen- und CVJM-distanzierten jungen Erwachsenen zwischen 16 und 35 Jahren ins Gespräch kommen. Wir wollen selbstkri-tisch und ohne Angst darüber diskutieren, was es konkret heißt ‚zu glauben‘ in Bezug auf die in den Filmen angesprochenen Lebensthemen“, heißt es im CUT-Konzept. „Sagt nicht nur, wir wollen junge Erwachsene erreichen, sondern tut es!“ steht fett gedruckt am unteren Rand des Papiers.
So sollen die Abende ab November diesen Jahres ablaufen: Nach Abendessen, Vorbereitung und Gebet mit dem Mitarbeiterteam öffnet das CUT-Bistro. Eine Live-Band begleitet das Event, bis die zehnminütige Ein-führung in den Film beginnt. Vorhang auf, Film ab! „CUT 1“ und „CUT 2“ sind zwei- bis dreiminütige Unter-brechungen der Vorführung, in denen die Gäste von einem Redner durch „geleitetes Sehen“ auf bestimmte Themen im Film aufmerksam gemacht werden. Live-Musik holt die Zuschauer am Ende des Films ab. Nach einer Hinführung zu weiteren Gesprächen durch ein Interview, eine Podiumsdiskussion, einen Text, ein Ge-dicht oder Musik ist im CUT-Bistro Raum für Begegnungen, Feedback, Essen und Plaudern.
Trotz der aufwändigen Vorarbeit freut Michael Götz sich auf das Projekt. Er sieht darin eine niedrigschwelli-ge, vorevangelistische Initiative, die sehr anziehend werden könne, „weil junge Erwachsene einfach sehr gern Filme sehen“, wie er sagt. Es komme darauf an, die Filme nicht zu simpel für die eigene Botschaft zu „verzwecken“ und trotzdem in den Aussagen über den christlichen Glauben eindeutig zu werden.
Theologisch formuliert hört sich das Konzept von CUT so an: Da es in der Welt keinen Bereich ohne Gott gibt, kann er zum Beispiel auch im Film und in der Kultur überhaupt präsent sein oder durch sie hindurch wirken. Wenn also eine Initiative wie CUT Filme zeigt, dann ist die Erkenntnis Gottes zwar nicht aus einem Film heraus möglich, doch Filme sprechen Lebensthemen an, die mit dem Wort Gottes konfrontiert werden können – kritisch wie positiv.
Kontakt: Wer sich für CUT interessiert, kann mit Michael Götz per E-Mail (goetz@cvjm-bayern.de) oder per Telefon (0911-628140) Kontakt aufnehmen.
Hermann Bach, 27, ist Kulturwissenschaftler, Redakteur und CVJMer. Er lebt in Flensburg und Hamburg.
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