Statements von zwei Aussiedlern (Dieter Holin und Alexander Mittag)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
Berichte aus dem Leben von zwei jungen Männern, die als Kind nach Deutschland kamen, aufwuchsen und nun hier Leben.
| Aussiedler Statements | |
|---|---|
| Autor | Dieter Holin (und Alexander Mittag) |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | 18plus |
| Kategorien | |
Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis |
Dieter Holin, 20 Jahre, Azubi Bauschlosser
Ich war 10 Jahre alt, als ich nach Deutschland kam. Mit mir kamen meine Schwester, Vater, Mutter, und Verwandte
In den ersten Monaten ist mir aufgefallen, dass wir unsere Heimat zurückgelassen hatten und wirtschaftlich von vorne anfangen mußten. Meine Eltern nahmen jede Arbeit an, die sich bot. Sie haben auf Erdbeerplantagen gearbeitet. In der Schule gab es keine Uniformen und keine Hygienekontrolle, da mußte man am Anfang der Stunde nicht die Hände vorzeigen. Die Lehrer waren nicht so streng wie in Tadschikistan.
Träume, die ich verwirklichen konnte und Träume, die ich beerdigen mußte: Ich träumte von einem friedlichen Leben in Sicherheit. In Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan, drohte Bürgerkrieg zwischen Russen und Tadschiken. Die Vorstellung, dass es auch in Deutschland an jeder Ecke Fladenbrot gibt, mußte ich beerdigen.
Ich vermisse hier die Freunde aus meiner Kindheit und die Fladenbrote
So habe ich zum CVJM gefunden: Ich wurde von Freunden eingeladen in den Jugendkeller zum Billardspielen. Ich bekam Aufgaben und wurde schließlich Mitarbeiter im offenen Jugendtreffpunkt. Nach 2 Jahren fuhr ich zu meiner ersten Freizeit als Mitarbeiter nach Südfrankreich. Ich engagiere mich, weil die Arbeit mich inspiriert. Ich sehe mich in vielen Jugendlichen wieder an meine Kinder- und Jugendzeit erinnert. Ausserdem kann ich für die Jugendlichen, die in den Jugendtreff kommen, eine Stütze sein. Wichtig geworden ist mir die Geschichte mit Jesus.
Ich habe noch nie, würde aber gern in meiner Geburtstadt Duschanbe Urlaub machen und Freunde aus der Kindheit besuchen und noch einmal an die Spielplätze meiner Kindheit gehen. Dort bleiben möchte ich aber nicht.
Das nervt mich: Wenn rußlanddeutsche Besucher nationalistische oder rassistische Gedanken äußern, zB Türken geht nach Hause.
Die anderen sagen, ich sei ziemlich selbstbewußt und von mir überzeugt.
Es gelingt mir selten konsequent zu sein, wenn ich streng sein muß.
Alexander Mittag, 19 Jahre, Azubi als Kraftfahrzeugmechaniker
Ich war 11 Jahre alt, als ich nach Deutschland kam. Mit mir kamen meine Mutter, mein Vater, meine Schwester und mein Bruder.
In den ersten Monaten ist mir aufgefallen, dass
alles neu war. Alles war schön. Die Leute waren in Ordnung, aber auch komisch. Es gab viele Kranke, Verletzte und Rollstuhlfahrer. Viele waren sehr freundlich. Es war besser als in Russland.
Außerdem habe ich wenig verstanden, weil alle deutsch sprachen. Besonders interessant waren die kleinen Kinder, die besser deutsch sprachen als ich. Ich brauchte einige Zeit, um mich an die Zeitumstellung und die Klinik zu gewöhnen.
Träume, die ich verwirklichen konnte und Träume, die ich beerdigen musstest:
Mein Traum war, hier in Deutschland zu leben, die Sprache zu lernen und „dazu“ zu gehören. Mit 11 Jahren hatte ich keine besonderen Träume. Es sollte in Deutschland besser sein als in Russland.
Ich vermisse hier
eigentlich gar nichts. Mein Leben hat jetzt erst richtig angefangen. Ich möchte mehr von meiner Verwandtschaft in Deutschland haben. Nach Russland würde ich nur deshalb gehen, weil meine Verwandten dort leben. Wären sie hier, würde ich auch nicht mehr nach Russland fahren.
So hab ich zum CVJM gefunden:
Durch meinen Freund Sven. Der hat mich ins Jugendzentrum mitgenommen und mich vorgestellt.
Ich habe noch nie, würde aber gern
ein schönes Auto fahren. ZB. den neuen Audi A8 W12.
Das nervt mich:
Nichts.
Die anderen sagen, ich sei...
Weiß ich nicht. Keine Ahnung. Ehrlich. Da mußt Du die Leute fragen.
Es gelingt mir selten
Boa, das ist eine schwere Frage. In der Schule läuft es nicht so gut, weil ich dafür keine Geduld habe. Außerdem lenkt mich immer mein Freundeskreis davon ab. (Wir machen gerne Blödsinn).
Identität/Glaube
Arbeitswelt
Wohnsituation
Finanzen
Partnerschaft
Soziales Netz
Herkunftsfamilie
Freizeit
Politik