Von unnötigen Peinlichkeiten und einem gnädigen Gott (Peter Rosatn)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
Pleiten, Pannen und Paulus
| Von unnötigen Peinlichkeiten und einem gnädigen Gott | |
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| Autor | Peter Rostan |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | 18plus |
| Kategorien | |
Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis |
„Hominum confusione et dei providentia Helvetia regitur.”
Die Schweizer Calvinisten des 16.Jahrhunderts hatten offensichtlich genügend Größe zur Selbstkritik. Das berühmte Zitat heißt übersetzt: "Die Schweiz wird regiert durch der Menschen Verwirrung und die Vorsehung Gottes." Wie weise. Gott sei Dank, der Allmächtige lässt sich nicht von unserer Dummheit abhalten. Er bringt vieles doch noch zu einem guten Ende, was wir selbst vermasselt haben.
Gott schreibt auf krummen Linien gerade
- Da verpenne ich einen wichtigen Sitzungstermin und stelle nachher beschämt fest, dass das Gremium ohne meine Leitung sehr selbständige, phantasievolle Ideen entwickelte, auf die ich nie gekommen wäre.
- Da stürzt mir am Sonntagmorgen kurz vor dem Ausdruck der Predigt der Rechner ab, bis auf ein paar handgeschriebene Stichworte habe ich kein Manuskript. Beim Predigen staune ich: Der Heilige Geist lässt mich nicht im Stich, so flüssig ging’s schon lange nicht mehr.
- Da verliere ich den Kampf gegen eine überdrehte Hauptschulklasse und Jahre später sagt ein ehemaliger Schüler: „Ihr Religionsunterricht hat bei mir damals was ausgelöst. Vielen Dank!“. Gott scheint ziemlich großzügig zu sein, wenn er meinen Mist als Dünger nutzte...
So weit, so schlecht. Eigentlich sind das ziemlich schiefe Beispiele. Denn die Reihe lässt sich nicht beliebig fortsetzen. Wir können keine Regel daraus machen. Der Heilige Geist ist nämlich ein Geist der Kraft und der Besonnenheit (2.Tim. 1,7) und kein Schutzpatron der Schlamper. Ich bin sicher, Gott ist ganz schön genervt, wenn er sieht, was alles auf Erden nicht klappt, weil wir wieder mal zu faul und zu oberflächlich waren. „Gib alles!“ sagte Jesus zum Reichen Jüngling (Mt 19). Das bezieht sich nicht nur aufs Geld. Er will unsere Phantasie und unseren Fleiß, unsere Leidenschaft und unser Organisationstalent, sonst landen wir in einer unheiligen Schieflage. Als ob für christliche Songs die Gitarrensaiten vorher nicht gestimmt werden müssten…
… in den Schwachen mächtig
Paulus war ein Mensch voller Leidenschaft. Er rieb sich an seiner Aufgabe auf, das Evangelium von Jesus Christus weiterzutragen. Gerade deshalb wurmte es ihn besonders, dass er offensichtlich ein chronisches Leiden hatte, das ihn schwer einschränkte. Er nannte es einen „Pfahl im Fleisch“ (2.Kor 12,7). Wir würden vielleicht sagen „einen Dorn im Fuß“. Ein Leiden setzte ihm ständig zu. War es eine schwere Migräne oder sogar Epilepsie, wie manche Ausleger vermuten? Paulus war jedenfalls so schwer angeschlagen, dass er darin nur das zerstörerische Werk des Teufels sehen konnte.
Doch dann bekommt er von Jesus selbst eine Deutung: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2.Kor 12,9). Jesus sagt ihm: Wenn du an deine Grenzen stößt, dann spürst du, wie sehr du mich brauchst. Das viele, worum du dich kümmerst und was du erreichen willst, ist nicht so wichtig wie das eine, wovon du lebst: Du und ich, wir gehören auf ewig zusammen, das genügt.
Paulus kokettierte nicht mit seiner Schwachheit. Er zog nicht die Achseln hoch und sagte lächelnd seinen Kritikern „Sorry, Leute, ich bin nun mal so, wie ich bin!“. Wenn er von Pleiten, Pech und Pannen sprach, dann tat er’s, um möglichst konkret die Gnade Jesu zu predigen. „Gnade“ ist ein unverdienter Freispruch, nicht ein Freibrief zur Schlamperei.
Trotz allem – wir können froh sein, dass die Schweizer damals recht hatten. Gott scheint in seiner Vorsehung (providentia) manchmal sehr großzügig zu sein.
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