Wie verbindlich nimmt Gott seine Verheißungen (Peter Rostan)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
Goldene Worte – fromm und unkonkret?
| Wie verbindlich nimmt Gott seine Verheißung? | |
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| Autor | Peter Rostan |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | 18plus |
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Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis |
„Gott ist treu“
Ein schöner Spruch auf frommen Hochglanzplakaten. Und jeder nickt. Einen Gott, der sich selbst untreu würde, kann man nicht denken. In den meisten Religionen gilt Gott als Inbegriff von bewegungsloser Stabilität. Gott ist und bleibt derselbe, jetzt und in Ewigkeit.
Aber wenn Treue bewegungslose Stabilität ist, ist dann nicht auch ein dicker Stein „treu“? Manchen genügt das sogar. Sie meditieren vor einem imposanten Bergmassiv und genießen die Ruhe – das kann religiöse Züge annehmen!
Gottes Treue im biblischen Sinn ist angreifbarer. Treue heißt hier Einklang von Worten und Taten: „Gott ist treu. Und was er zusagt, das hält er gewiss“. Diese Definition der Treue weckt konkrete Erwartungen.
Stimmt das eigentlich mit der Treue Gottes?
„Bittet, so wird euch gegeben, sucht, so werdet ihr finden“ heißt es in klaren und verbindlichen Worten in der Bergpredigt (Mt 6). Trifft das bei jedem Gebet und bei jeder Suche zu? Schön wär’s….Was ist, wenn hier verbindliche Versprechungen gemacht werden, die sich nachher scheinbar in Luft auflösen? Wie weit reicht denn seine Treue und Verbindlichkeit? Fromme Menschen retten sich gern auf sicheres Terrain, wenn ihnen der Boden unter den Füßen wackelt. Es gibt schließlich genügend Möglichkeiten, sich aus der Affäre zu ziehen:
- „Diese Versprechungen beziehen sich auf die damaligen Adressaten. Seine Jünger haben das noch direkt erfahren, die folgenden Generationen sind damit nicht mehr gemeint“.
Ein berechtigter Einwand. Wenn sich damals für das Volk Israel das Schilfmeer teilte, dann heißt das nicht, dass Christen auf einen Schwimmkurs verzichten können. Nur: welche Aussagen sind dann noch auf uns zu beziehen, wenn alles in der Vergangenheit bleibt? Ist die Bibel dann nur ein historisches Dokument, das nicht mehr in die Gegenwart spricht?
- „Das darf man nicht wörtlich nehmen, damit sind symbolische Veränderungen gemeint. Viele Verheißungen sollen beim Menschen Trost und innere Sicherheit wecken. Wenn sie das erreichen, haben sie ihr Ziel schon erfüllt.“
Auch hier ist was dran. Keiner erwartet, dass der Glaube wortwörtlich „Berge versetzen“ kann. Nur: wenn alles symbolisch gemeint ist, sind die Zusagen der Bibel dann nur ein religionspädagogischer Trick? Ist Gott selbst nur ein „Symbol“, nur eine emotionale Regung des Menschen?
- „Wenn sich Verheißungen nicht erfüllen, dann klemmt es beim Menschen, dem das nötige Quantum Glauben fehlt. Schließlich heißt es: „Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, so wird's euch zuteil werden - vorausgesetzt, ihr glaubt, daß ihr's empfangt“ (Mk 11,24).
Auch nicht falsch. An vielen Stellen wird deutlich, dass Gott eine wechselseitige Beziehung zu uns Menschen will. Seine Zusagen wollen Vertrauen wecken. Nur: ist menschlicher Glaube die Voraussetzung für Gottes Handeln? Gehört es nicht zu den Kernaussagen der Bibel, dass Gott sich von der Untreue des Menschen nicht abbringen lässt und er ihm trotzdem treu bleibt?
Es lässt sich nicht ändern. Viele Zusagen der Bibel kann man drehen und wenden wie man will, sie bleiben für uns unbefriedigend. Was können wir dann noch von Gottes Treue halten? Bleibt bei Gott etwa doch nur eine bewegungslose, negative Verlässlichkeit – im Sinne von: „Du kannst dich darauf verlassen, ich rühr mich nicht von der Stelle - weder damals noch heute…“?
Nein. Denn wir haben den Mann aus Galiläa. Auf ihn läuft alles zu. Alle Zusagen Gottes werden in der Person Jesu aufgegriffen (2.Kor 1,20; Kol 2,3; Eph 1,10) – wenn auch oft noch auf unverständliche und uns verborgene Weise.
„... mit Jesus Christus sagt Gott Ja zu allen seinen Zusagen...“ (2.Kor 1,20)
Eine faszinierende Entdeckung: Die Verbindlichkeit von Gottes Liebe reicht so weit, dass er sich in Jesus Christus der Veränderlichkeit preis gibt. Seine Treue mündet nicht in einem Granitblock und nicht in steinernen Gesetzestafeln, sondern in der Zuwendung einer Person aus Fleisch und Blut.
Ich bin davon überzeugt, dass die Geschichte von Jesus Christus noch nicht abgeschlossen ist. Vor uns liegt eine erneute Begegnung mit ihm, seine zugesagte „Wiederkunft“ (Off 22,20). Sie wird alles bisherige (samt allen Wundern der Vergangenheit und der Gegenwart) in den Schatten stellen.
Ich bin mächtig gespannt, wie es sein wird, wenn er die noch ausstehenden Zusagen einlösen wird. Es wird dann manche Überraschungen geben, wie konkret sich Gott Treue am einzelnen auswirken wird - und bereits ausgewirkt hat!
Peter Rostan, Pfarrer in Vogt/Allgäu
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