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Worte sind mehr als Schall und Rauch… (Peter Rostan)

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„GUTE GRÜNDE FÜR DEN GLAUBEN“ - UNTER DIESEM MOTTO ANTWORTET PETER ROSTAN AUF EINWÄNDE GEGEN DEN CHRISTLICHEN GLAUBEN.


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Inhaltsverzeichnis


„Ihr Christen habt gut reden. Ein bißchen Frieden, ein bißchen Liebe, das ganze garniert mit einem Schuss Gefühl - fertig ist die religiöse Soße. Von diesen Phrasen ‚Jesus liebt dich‘, oder ‚Gott hält die Welt in seiner Hand‘ – davon kann ich mir nichts kaufen...“.

Wie wahr. Ist christlicher Glaube nur ein Glasperlenspiel von frommen Begriffen? Dann wird’s Zeit ihn loszuwerden.

Um für andere attraktiv zu sein muss Glaube „durchlebt“ werden - selbst wenn dabei manches vollmundige Bekenntnis auf ein paar kurze, aber ehrliche Sätze zusammenschrumpft.

Doch die Kritik sitzt tiefer: Ist christlicher Glaube womöglich als ganzes nur ein Sprachspiel, eine virtuelle Realität?

GLAUBWÜRDIGKEIT GLEICH WAHRHEIT?

Können fromme Prediger ihre Botschaft herunterlesen wie Nachrichtensprecher im Fernsehen? Kann eine Kirche sich überhaupt noch erdreisten, von Gottes ‚Liebe‘ und ‚Vergebung‘ zu reden, wo sie doch ähnlich lieblos lebt wie die Welt um sie herum?

Ja, sie kann. Denn mit der Glaubwürdigkeit seiner Werbeträger (frommdeutsch: „Zeugen“) steht und fällt zwar die Glaubwürdigkeit des Evangeliums, die Wahrheit des Evangeliums wackelt deshalb aber nicht.

Leider hat die Kirche selbst ihre Kritiker auf eine falsche Fährte gelockt. Wer ständig davon redet, das Evangelium „umzusetzen“, der rückt die biblische Botschaft verdächtig nah an eine Theorie, die noch den Praxisbeweis erbringen muss.

Keine Frage: das Evangelium von Gottes Liebe verändert etwas bei dem, der es hört. Aber das ist nicht die Praxisseite einer religiösen „Theorie“! Die Wahrheit des Evangeliums ist schon in sich selbst konkret. Oder was ist daran unkonkret, wenn Jesus einen Zöllner von seiner Schuld freispricht, ihn Gemeinschaft erleben lässt? Wenn Zachäus dann geschehenes Unrecht wieder gut macht, dann reagiert er damit auf ein Evangelium, das bereits in sich selbst wahr ist. Zachäus hat nicht eine Theorie in die Wirklichkeit umgesetzt, sondern Wirklichkeit erfahren – und die Konsequenzen daraus gezogen.

Ob das Evangelium von Jesus Christus wahr ist, hängt nicht von der Glaubwürdigkeit der Christen, sondern von Wahrheit der Person Jesu Christi ab.

SPRACHE UND WIRKLICHKEIT

Damit sind wir beim entscheidenden Kritikpunkt. Wer sagt denn, dass jene „Wahrheit“, die mit Jesus Christus zu tun hat, tatsächlich wahr ist? Können unsichtbare und unbeweisbare Wirklichkeiten wie die Liebe Gottes eine verlässliche Lebensgrundlage sein? Zählt nicht am Ende nur das, was handfest greifbar ist?

Im Mittelalter haben sich Philosophen darüber buchstäblich die Köpfe eingeschlagen. Was war zuerst: „Stuhl und Tisch“ als Begriffe oder „Stühle und Tische“ als greifbare Gegenstände? Sind unsere Begriffe Ausdruck einer vorgegebenen Realität oder nur die sprachliche Reaktion auf eine Welt von Gegenständen, die jeweils bestimmte Bezeichnungen brauchen?

In diesem sog. „Universalienstreit“ setzten sich die „Nominalisten“ durch, die sagten: Begriffe sind nur Etiketten. Die Welt war entzaubert. Die Sprache wurde zur „gemeinsamen Abmachung“ um mit der nun alles entscheidenden Gegenstands-Welt besser umgehen zu können. Begriffe ohne sichtbares Gegenstück galten spätestens im Zeitalter des Materialismus als anrüchig.

Die heutigen Denker sind weiter. Sie betrachten Sprache und Wirklichkeit nicht mehr als zwei Welten, eine unwirkliche und eine wirkliche. Die sog. „Existenzialisten“ sehen beides unlösbar verbunden: Gedanken und Gefühle des Menschen sind nicht nur nachgeordnet, der Mensch ist zugleich das Ergebnis von ihnen. Und die sog. „Systemtheoretiker“ sehen die Wirklichkeit als ein Konglomerat aus Sprache und Gegenständlichkeit - beides bedingt einander.

Wenn nun Christen mit „Gott“, „Jesus“, „Vergebung“ Worte verwenden, die kein materielles Gegenstück haben, dann verlassen sie damit nicht automatisch den Boden der Wirklichkeit. Religiöse Sprache hat ihr eigenes Recht. Sie ist Teil eines größeren Gesamtsystems.

„ER SPRACH ... UND ES GESCHAH“ (GENESIS 1)

Das Alte Testament bringt diesen Zusammenhang in einem Wort auf den Punkt: In der hebräischen Bibel heißt Gottes Wort „dabar“. Gottes Tat heißt ebenfalls „dabar“. Wenn Gott redet, beschreibt er nicht nur etwas Gegebenes, sondern er schafft Neues. Sprache setzt neue Wirklichkeit frei.

Das gilt auch für die von Gottes Reden sich ableitende Reden der Christen. Wer nicht nur daherschwallt, sondern im Auftrag des lebendigen Gottes redet, der erlebt, wie Menschen dadurch verändert werden. So hat’s Jesus versprochen (Joh 16,13).