Zielfindung im Team (Annedore Beck)
aus 18plus, alles für die Arbeit mit jungen Erwachsenen
Zielfindungsprozess im Team
| Zielfindung im Team | |
|---|---|
| Autor | Annedore Beck |
| Erscheinungsdatum | |
| Publikation | 18plus |
| Kategorien | |
Lizenzbestimmungen: Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis |
Warum und wie Ziele motivieren...
Ziele und Visionen treiben Menschen an, motivieren, begeistern. Wie man solche Ziele für sich, aber auch im Team zum ersten Mal oder wieder neu finden kann, zeigt Annedore Beck auf. Eben hat mein Sohn voll Begeisterung erzählt, für welche Ausbildung er sich entschieden und beworben hat. Freunde haben mit dem Bau des lang ersehnten Hauses begonnen. Ein Bekannter jobbt in jeder freien Stunde, er will sich sein erstes Auto kaufen. Zwei Verliebte wurden sich einig zu heiraten und eine Freundin ist dabei, ihren Traum von der eigenen Anwaltskanzlei umzusetzen.
Alle haben eines gemeinsam: Ein Ziel! Was mir auffällt, ist die Begeisterung in der Stimme und das Leuchten in ihren Augen wenn sie von ihren Vorhaben erzählen. Ziele motivieren und setzen ungeahnte Kräfte frei. Visionen beflügeln unsre Fantasie, bringen uns zum Träumen und machen uns Lust auf Zukunft. Wir fühlen uns herausgefordert, sind neugierig, ob wir "es schaffen" und entdecken nicht selten neue Möglichkeiten in uns.
Doch Ziele müssen umgesetzt werden. Ich muss planen, Entscheidungen treffen und einen Weg finden. Und viele Schritte gehen. Nur wenn ich die Erfahrung mache, dass ich meine Ziele auch erreichen kann (wenn auch manchmal mit Zugeständnissen), werden mich Ziele auf lange Sicht motivieren. Das gilt für mein ganz persönliches Leben genau so wie im Beruflichen oder in der Jugendarbeit.
Wie können wir in der Jugendarbeit von Zielen und Visionen motiviert werden? Wie kann unsere Arbeit durch solche Prozesse optimiert werden? Wie können wir Geplantes auch erreichen?
Eines vorab: Steckt euch mutige Ziele, habt große Erwartungen! Wahrscheinlich stecken in dir und in euch als Team weit größere Möglichkeiten als ihr ahnt – probiert’s aus! Und dann plant und rechnet noch kräftig mit Gott und seinen Möglichkeiten. "Think big!"
1. Macht eine Standortbestimmung! Hängt drei große Plakate an die Wand mit den Fragen:
- Was haben wir?
- Was läuft gut?
- Was könnte verbessert oder entwickelt werden?
Schreibt das, was euch einfällt, jeweils auf Karten, entweder in kleinen Gruppen oder einzeln. Tragt die Karten zusammen und versucht, ähnliche Inhalte zuzuordnen, so dass Blöcke entstehen. Schaut alles gemeinsam an. Freut euch zu aller erst an dem, was ihr habt und was gut läuft. Viel zu oft sind wir nur auf die Mängel fixiert. Positive Formulierungen – z.B. "Was könnte verbessert werden" - sind hilfreicher als das Wühlen in Schwächen. Schwächen sind immer Chancen!
Dann hängt ein viertes Plakat auf mit der Überschrift:
- Ideen
Schreibt wieder wie oben Karten. Oder malt Bildchen oder Grafiken – die müssen nicht perfekt und glatt sein, lieber spontan und kreativ! In dieser "Spinnerrunde" sind Mut, Lust und Fantasie gefragt, rechnet dafür mehr Zeit ein. Am besten wäre es, wenn anschließend eine größere Pause, ein Spaziergang o.ä. wäre, wo man evtl. noch weiterspinnen könnte. Und denkt dran: Mit Träumen beginnt die Realität.
Daniel Goeudevert: „Ich halte es daher für einen – leider häufig anzutreffenden – geschichtsblinden Irrtum, zu glauben, Utopien, Visionen, Träume seien folgenlose Hirngespinste. ... Ohne die Träumereien von Visionären und Utopisten lebten wir heute in einer ganz anderen Realität. Es gäbe keine Opern und keine Schulen, keine Flugzeuge und kein Penicillin, keinen Rechtsstaat und schon gar kein Frauenwahlrecht, wenn Menschen nicht immer und immer wieder etwas gedacht und ausgesprochen und getan hätten, was zuvor noch keiner gedacht oder ausgesprochen oder getan hat.“
2. Entwicklung einer Vision
Die formulierten, auf Karten geschriebenen oder gemalten Ideen werden wieder zusammengetragen und in Blöcke geordnet. Vielleicht werden Überschriften oder ein Stichwort für die einzelnen Blöcke gefunden. Ich würde an dieser Stelle einen geistlichen "Boxenstop" machen. Eine Zeit, in der wir uns an Gott wenden, ihm das Erarbeitete hinhalten, ihm danken für den Reichtum an Ideen, die Freude am Spinnen... und ihn um Leitung beim weiteren Vorgehen bitten. Vielleicht wäre auch eine Zeit der Stille gut. Im besten Fall kann man erkennen, wie sich im Laufe der Zeit eine Vision entwickelt. Manchmal wird uns das geschenkt: Ein Bild von der Zukunft, das Sehnsucht weckt. Interessant ist: - Visionen fangen oft menschlicher an als man denkt. - Visionen brauchen Zeit um sich zu entwickeln (zuerst verschwommen, dann deutlicher). - Visionen leuchten. - Visionen stecken auch andere an. - Visionen lassen nicht mehr los.
3. Aus der Vision wird ein Ziel
Dass sich eine Vision entwickelt, hat mit Träumen, Fantasie, Lust, Leidenschaft und "Schauen" zu tun. Dass daraus ein konkretes Ziel entsteht, ist Entscheidung und Arbeit. Eine Vision ist eher abstrakt, ein Ziel konkret.
Eine mögliche Vorgehensweise wäre jetzt: Jede/r bekommt drei Klebepunkte. Diese können nach Belieben an die Themenblöcke des vierten Plakates befestigt werden, je nach dem welche Idee gefördert werden soll. Die Idee mit den meisten Punkten wird als Ziel anvisiert.
Zur Zielfestlegung gehören einige klare Definitionen, z.B.:
- Konkrete Zielbeschreibung: "Was soll erreicht werden?"
Die Zielbeschreibung soll präzise, mutig, realistisch, transparent, messbar, klar formuliert sein.
- Beginn: "Wann geht es los?"
- Zeitrahmen: "Bis wann soll das Ziel erreicht sein?"
- Zielgruppe: "Wen wollen wir erreichen oder mit wem soll das geschehen?"
- Ort: "Wo soll es stattfinden?"
- Einpassung: "Wie passt das definierte Ziel in unser Gesamtziel oder unseren Auftrag?"
4. Die Planungsphase beginnt
Das Ziel muss kommuniziert werden - Wer entscheidet? (Team, Ausschuss, Kirchengemeinderat...) - Wer soll informiert werden? (Reihenfolge beachten) - Wen wollen wir gewinnen, überzeugen, motivieren? (Schlüsselpersonen) - Von wem brauchen wir Unterstützung? - Mit wem könnten wir kooperieren?
Finanzen - Kostenplanung - Wie kommen wir zu diesem Geld?
Leitungs- und Arbeitsstruktur festlegen - Wer leitet? - Welche Teams sind nötig, Zuständigkeiten? - Wo werden welche Entscheidungen gefällt? - Informationsfluss und Vernetzung der Teams
5. Ein Weg – viele Schritte
Ziel und Weg – beides ist bedeutungsvoll! Zunächst muss gesammelt werden, was für Schritte nötig sind. Erstellt "To do"- Listen mit drei Spalten: Was ist zu tun / Wer ist dafür verantwortlich / Wann ist es spätestens zu erledigen. Schriftliche Ergebnisprotokolle jeder Sitzung beugen späteren Differenzen vor.
Ein grober Zeitplan als Überblick muss erstellt werden: In welchen Zeiträumen müssen die Etappen geplant werden? Es empfiehlt sich, Rastplätze einzuplanen, um nicht zu überfordern und zeitliche Puffer - es könnten unerwartete Probleme auftreten oder Konflikte zu bearbeiten sein.
Welche Rolle sollen geistliche Impulse, biblische Leitworte, Verheißungen, Gebet, Hören auf Gott, Loben und evtl. Klagen spielen? Auch das muss geplant werden!
Zwischenauswertungen sind sinnvoll, um zu überprüfen wie weit wir im Plan sind oder ob Korrekturen nötig sind.
Vielleicht ist eine Art "Richtfest" eine gute Idee zum Feiern, wenn der grobe Plan (Rohbau) steht. Da können wir mal relaxen und staunen, wie weit wir schon gekommen sind und die Vision wieder neu zum Leuchten bringen.
Im Voraus wird schon das Feed-back und die Auswertung, sowie das Fest danach geplant. Wir wollen schließlich auf das Gelungene stolz und dankbar sein und aus dem, was man hätte besser machen können, lernen. Sicher sind bisher unentdeckte Talente entdeckt worden! Schön ist, wenn wir einander loben können und gegenseitige Wertschätzung ausdrücken für das, was uns positiv aufgefallen ist. Und dass wir Gott unser kräftiges Lob geben ist auch klar – wahrscheinlich haben wir viel Grund dazu!
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